Das ökologische Gleichgewicht II

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Das ökologische Gleichgewicht II

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Was Ökologie mit Einstein zu tun hat

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Ökologisches Gleichgewicht. Ich hatte mich ja schon ausführlich zu diesem Punkt geoutet. Dann habe ich im September 2015 mal ein paar weitergehende Gedanken dazu verfasst, aber nicht veröffentlicht. Man hat so viel um die Ohren, vielleicht hole ich das demnächst nach. Aber heute hatte ich wieder so eine Diskussion, die ich zum Anlass nehme, noch einmal näher auf das tiefer liegende, zentrale Verständnisproblem zu unserem Reizbegriff „ökologisches Gleichgewicht“ einzugehen. Ich denke, ich habe mich im ersten Beitrag dazu nicht deutlich genug ausgedrückt. Möglicherweise hilft uns ja Einstein weiter.

Was ist denn nun das Problem mit dem hingebungsvoll verklärten, nirgendwo so genau definierten „ökologischen Gleichgewicht“? Die banale Antwort ist: Das kommt, wie immer, auf den jeweiligen Betrachter an bzw. auf den Standpunkt des jeweiligen Betrachters.

Nehmen wir z. B. die Rattenschwanzlarve: Wenn Sie die fragen würden und die antworten könnte, würde die Ihnen im Brustton der Überzeugung erklären:

„Das Paradies, der Ort im Zustand des absoluten ökologischen Gleichgewichts ist eine Güllegrube: Stockdunkel, stinkend, möglichst nass, gleichmäßig temperiert.“ Wenn sie noch ein wenig ideologisch fixiert und dogmatisch veranlagt wäre, würde sie hinzufügen: „Und wer etwas anders behauptet, der lügt!“ Das Paradoxe ist: Die Dame hat Recht, zumindest mit dem ersten Satz:

Eine Güllegrube ist ein Biotop in einem stabilen ökologischen Gleichgewicht.

Völlig losgelöst von der Frage, ob man sie jetzt schön findet oder nicht. Und genau hier kommt das Problem zutage, das ich mit diesem Schlagwort habe bzw. mit denen, die es so hingebungsvoll zu ihrer ideologischen Propaganda und Spendensammelei missbrauchen: Sie verknüpfen eine rein sachliche Feststellung bzw. Behauptung regelmäßig mit eigenen, rein subjektiven, ästhetischen Vorstellungen. Vorstellungen und Ideen, die sie – maßgeschneidert auf die eigenen Zwecke – per Frühstücksfernsehen und Regenbogenpresse bei einer möglichst breiten Menge als ästhetisch implementieren oder implementiert haben. Und die sind nun wirklich Privatsache, oder möchten Sie in einer Güllegrube leben, nur weil´s die Rattenschwanzlarve schön findet?

Das bringt uns jetzt zu der Verbindung mit Einstein. Einer der grundlegenden Gedanken seines genialen Theoriegebäudes ist der:

Wo ich bin, ist der Mittelpunkt des Universums, alles andere wird an mir gemessen, selbst die absolute Konstante Lichtgeschwindigkeit.“

Das Schöne ist: Er hat´s bewiesen, sogar mathematisch.

Das Schwierige für viele Menschen daran ist: Sie sind völlig außerstande zu kapieren, dass, von der reinen Logik her, wirklich jeder das von sich behaupten kann. Wohl begründet, wie die Rattenschwanzlarve.

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Kirchveischede, 19. Juni 2016

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Manfred Nolting

Ein Jagdmensch

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