Der Permafrost taut …..

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Der Permafrost taut …..

Ich habe im letzten Juni (2015) einen Beitrag veröffentlicht, Titel: Die Klimaerwärmung. Das hatte eigentlich nichts mit der Jagd zu tun, aber jeder weiß, dass ich meine Muttersprache sehr mag und es mir geradezu körperliche Pein verursacht, wenn sie verhunzt wird; deswegen konnte ich mich damals nicht zurückhalten. Heute habe ich mich nochmals damit befasst, nachdem mich letztens eine noch schlimmere Stilblüte aus dem sowieso schon hektischen Leben eines noch relativ frischen Großvaters aufgestört hat:

„Der Permafrost taut.“

„Der Per-ma-frost taut.“ Darauf muss man erstmal kommen. Ich meine, „Klimaerwärmung“ ist ja schon ein Hammer, und ich habe geglaubt, dass es schlimmer eigentlich nicht geht. Aber, schlimmer geht immer, wie man sieht. Also, ich hatte gerade ein wenig Zeit, mein Enkel ist zu Hause, und deswegen muss ich gerade nicht Musik machen, mit ihm tanzen, ihm was vorbrummen oder Schlagzeug spielen; mein Weib ist völlig erschöpft auf die Chaiselongue gesunken, kurz: Ruhe ist.

Deshalb habe ich mich noch mal mit dem Thema beschäftigt und alles „gegengecheckt“, wie man so schön sagt, recherchiert. Was recherchieren heute so heißt: Begriff in die Suchmaschine eingeben und „enter“. (Früher war das weit komplizierter, gute neue Zeit!)

Und dann bin ich fast lang hingeschlagen:

Die besagte Worthülse habe ich das erste Mal in einem Beitrag des öffentlich- rechtlichen Senders 3SAT zur Kenntnis nehmen müssen, und zwar am 11. Dez. 2015. Ich habe bis heute wirklich gedacht, das sei ein Ausrutscher gewesen, eben eine Stilblüte. Trotzdem habe ich mir eine Notiz gemacht, denn die öffentlich- rechtlichen betrachte ich seit einiger Zeit und mit gutem Grund mit einer gehörigen Portion Misstrauen, was die Qualität ihrer Berichterstattung angeht. Vorhin habe ich dann den Term (Der Permafrost taut) einfach gegoogelt. Da fällt man tot um:

Die lassen diese Pidgin- Deutschen jetzt allen Ernstes auf unsere Kinder los! Bildungsportale für Schüler, Planet Schule 1), Welt der Physik 2), der Deutschlandfunk 3) – sie alle titeln den gleichen höheren semantischen Schwachsinn: „Der Permafrost taut auf“.

Den Gipfel aber, sozusagen den Mount Everest der Unbildung (oder müssen wir sagen „Missbildung“?) gibt die Internetseite RTL next 4) von sich; die verbindet das unsägliche Undeutsch gleich auch noch mit dem üblichen Alarmismus:

Der Permafrost taut ab und gibt uralte Viren frei.

Wie überaus praktisch, zwei Fliegen mit einer Klappe: Klimakatastrophe und Eiszeitvirus. Und wollen wir nur hoffen, dass jetzt nicht noch massenhaft tiefgefrostete Mammute, Höhlenbären und Säbelzahnkatzen wiederauferstehen. Wie, um Himmels Willen, sollen wir die noch ernähren? Sancta simplicitas, man fasst es eigentlich gar nicht mehr ………..

Die wohltuende Ausnahme bietet ausgerechnet ein nicht öffentlich- rechtlicher Sender, nämlich ntv.wissen.de 5): Die reden korrekt von „Permafrostböden, die auftauen“. Und damit haben sie ganz zweifellos Recht. Denn es steht wohl außer Zweifel, dass das derzeit so ist, dass die Erde sich erwärmt, dass Permafrost – Böden auftauen. Aber eben die Böden. Frost kann bekanntlich nicht tauen.

In der Aussageabsicht meinen die Verantwortlichen der Seiten, die die schulische Online- Ausbildung unseres Nachwuchses im Panier führen, das vielleicht auch so. Aber es mangelt ihnen eben an der Fähigkeit, die dazu nötigen sprachlichen Instrumente korrekt anzuwenden. Bei ntv dagegen scheinen die noch Redakteure zu haben, die mit der deutschen Sprache vertraut sind.

Semantik vs. Alarmismus der üblichen Art 

Der feinfühlige und sensible Leser merkt jetzt: Es geht mir um die semantischen Inhalte, die Begriffsbestimmungen. Und natürlich geht es mir um die Vernebelung der Gehirne durch genau die „Experten“, die mir als Jäger dauernd so aufstoßen. Es geht nicht darum, ob irgendwo irgendwas taut. Das tut es sowieso, das hat es immer getan, im ewigen auf und ab. Nur haben sich die Leute früher gefreut, wenn´s wärmer wurde. Das spart Ressourcen, bringt bessere Ernten, ist gut für den Nachwuchs, man erfriert nicht so leicht, die Sahara wird grün. Für den obligatorischen alljährlichen Schi-Urlaub in St. Moritz oder Reit im Winkl hatten die eben früher nicht die richtige Antenne, auch schon wegen der sehr mangelhaften Transportmöglichkeiten damals. Das ganze Gegenteil war der Fall: Auch der Bevölkerung von St. Moritz und Reit im Winkl war es vor 1.000 Jahren hochwillkommen, dass es wärmer wurde und die Alpengletscher vollständig verschwanden. Wäre das nicht so gewesen, hätte es nämlich beide Ortschaften erst gar nicht gegeben. Was übrigens erwiesen ist, die waren abgetaut, die Gletscher. Komplett. Nur machte damals kein Mensch deswegen Hektik, im Gegenteil; die wussten das zu schätzen. Vor allem gab´s damals das heutige Alarm- Geschäftsmodell NABU, BUND & Co. noch nicht. So wie Erik der Rote es gut fand, dass Grönland damals grün war; auf die Art und Weise ist der nämlich auf den Namen gekommen. Grün und warm damals ohne Industrie übrigens, ohne Erdöl, Steinkohle und ohne, dass man dieses Jahrtausendgift CO2 als Erklärung hervorzerren konnte; möglicherweise war das damals vom Großen Gasförmigen schlicht noch nicht erfunden. Er muss also über einen anderen perfiden „Klimakiller“ verfügt haben, der dafür sorgte, dass es wärmer wurde. Gebe Gott, dass unsere Auguren nicht drauf kommen, was das war, das dann losbrechende Getöse kann ich mir gar nicht vorstellen. Die Alten jedenfalls haben´s genommen wie´s kam, dankbar und nach dem Motto: Wenn es Brei regnet, muss man zusehen, dass man an Löffel kommt. Gute alte Zeit.

Heute dagegen ist die Erderwärmung ein willkommener Anlass, Alarm zu schlagen, wie bei der Eiszeithysterie in den 1960-er Jahren, bei „le Waldsterben“, beim Rinderwahnsinn etc. etc. Das bringt Aufmerksamkeit in den Hurra- Medien und, wie man sieht, sogar auf staatlich geförderten Plattformen. Dazu, als Dreingabe, jede Menge Spenden, Posten und Pöstchen, ja sogar die Remmels dieser Welt sitzen einem auf dem Schoß und betteln um Zuwendung.

Na ja. Meine Frau sagt immer, ich soll nicht so aggressiv sein. Ich finde nicht, dass ich aggressiv bin. Ich bin einfach nur gefrustet von dieser permanenten Volksverdummung, vor allem, wenn sie gepaart ist mit mangelhaften Deutschkenntnissen. Und das reagiere ich ab mit Sarkasmus. Es sei denn, mein Enkel ist da. Der lenkt mich ab, da bin ich völlig entspannt. Weil der noch in der Lage ist, anständige und korrekte Konversation zu pflegen mit seinem Opa. Mit dem kann ich mich auch völlig entspannt über die Jagd unterhalten. Auf gar keinen Fall jedenfalls faselt der von irgendeinem „Frost, der auftaut“, oder einem „Klima, das sich erwärmt“. Wenn ihm was nicht passt, trommelt er einfach nur, wenn er was will, sagt er sowas wie „Opa, wawa-wa“.

Das verstehe ich.

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Kirchveischede, 11. Februar 2016

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Manfred Nolting

Ein Jagdmensch

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1) http://www.planet-schule.de/mm/die-erde/Barrierefrei/pages/Der_Permafrost_taut.html

(Der Permafrost taut.)

2) http://www.weltderphysik.de/gebiet/planeten/atmosphaere/klimaforschung/permafrost/

(Wenn der Permafrost taut.)

3) http://www.deutschlandfunk.de/19-millionen-quadratkilometer-wehe-wenn-der-permafrost-taut.676.de.html?dram:article_id=339101

(Wehe, wenn der Permafrost taut)

4) http://rtlnext.rtl.de/cms/der-permafrost-taut-ab-und-gibt-uralte-viren-frei-2444512.html

(Der Permafrost taut ab und gibt uralte Viren frei). Sic!

5) http://www.n-tv.de/wissen/Permafrostboden-der-Antarktis-taut-schneller-article11047276.html

(Permafrostboden der Antarktis taut schneller)

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2 Kommentare zu Der Permafrost taut …..

  1. Ulrich Schmidbauer sagt:

    Ich kann Dich verstehen, Manfred. In jeder Beziehung, auch weil meine Frau derselben Meinung über mich ist wie die Deine über Dich: zu aggressiv! Aber es macht einen auch aggressiv miterleben zu müssen wie die Verdummung der Menschen über die Verarmung der Sprache betrieben wird.

    Ändern wird`s zwar nichts, wenn sich zwei alte Säcke wie wir darüber aufregen, aber es ist tröstlich zu lesen, dass sich wenigstens noch ein paar Menschen weigern, erst zum sprachlichen und in der Folge zum geistigen Flatliner zu mutieren. Danke!

  2. Manfred Nolting sagt:

    Danke für den Zuspruch, Ulrich.

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