Die Tücken von Drückjagdsitzen

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Die Tücken von offenen Drückjagdsitzen bei schlechtem Wetter.

Ein Gastbeitrag von Antonius von Papen 

Jeder Jäger kennt es: Morgens auf dem Sammelplatz wird angesagt, dass die Drückjagdböcke auf Grund von Regen, Schnee, Laub und Eis glatt sind. Wenn es dann darum geht, den Stand zu beziehen und der Schütze vor seinem offenen Bock steht und versucht, mit Rucksack und Waffe die glatten hölzernen Sprossen der Leiter zu erklimmen, wird es problematisch. Oft sind Sprossen und der Fußboden mit Grünspan überzogen. Es ist furchtbar rutschig. Bei Drückjagdböcken, bei denen die Leiter einfach an die Hauptholme angenagelt worden ist, wird es noch schwieriger, den Sitz sicher zu erklimmen. Wo Sprossen und Holm vernagelt oder verschraubt worden sind, kann ein Fuß sicher aufgesetzt werden. Der Holm verhindert das Wegrutschen des Jagdstiefels.

Auf der anderen Seite ist die Verbindung Sprosse/Holm zu weit, so dass hier nur der Auftritt auf der glatten Sprosse bleibt. Das ist sehr gefährlich, da keine Absicherung vorhanden ist. Natürlich ist es machbar, auch bei solchen Bedingungen auf den Sitz zu kommen, aber es ist unangenehm und gerade für Jäger, die körperlich in keiner optimalen Verfassung sind, einfach unnötig. Wenn die Jagd beginnt, sollten die Schützen auch zügig auf ihre Sitze kommen und sich nicht noch lange damit aufhalten müssen, eine Strategie zu entwickeln, wie sie sicher auf den Hochsitz kommen. Für’s Schießen ist es wichtig, sicheren Kontakt zum Untergrund zu haben. Oft muss der Schütze sich bewegen oder drehen. Wenn er ständig rutscht, ist es für ihn umso schwerer, Beute zu machen. Auch für das Abbaumen ist es unangenehm. Die Treiben dauern mehrere Stunden, und der Jäger ist vom Sitzen oder Stehen durchgefroren und steif. Die Beweglichkeit ist natürlich auch durch das zusätzliche Gewicht und die dicke Kleidung eingeschränkt.

Was kann der Jäger vor Ort selber verbessern?

Viele Waidmänner haben in ihrem Jagdrucksack einen Beutel Sand, den sie auf den Fußboden verteilen, um so zu versuchen, ein wenig Halt zu bekommen. Einige haben Fußmatten oder Gummimatten dabei. Oder einen Klappspaten, mit dem noch schnell Erde oder im besten Fall Sand ausgegraben werden kann, um den unsicheren Stand zu verbessern. Denn schließlich soll ein sicherer Schuss abgegeben werden können. Ohne einen sicheren, festen Halt ist das nicht möglich und auch sehr gefährlich. Schnee, Laub und Äste sollten immer aus dem Fußraum verschwinden.

Was kann die Jagdleitung in der Vorbereitung tun?

Karnickeldraht sollte auf allen offenen Sitzen und auch auf allen Leitersprossen angebracht sein. Der Draht hilft enorm gegen das Ausrutschen auf dem feuchten nassen Holz. Alle Stände sind einige Tage vor der Jagd zu kontrollieren. Hier sollte bei den offenen Ständen mit einem Handbesen das Laub und die Nadeln von den Fußböden beseitigt werden. Auch Beutel mit Sand sollten den Schützen bereitgestellt werden, die auf dem Sammelplatz verteilt werden können. Gab es in der Nacht vor der Drückjagd eine Neue, muss jeder Jäger in der Lage sein, seinen Stand so vorzubereiten, dass er sicher stehen kann. Diese Arbeit zur Vorbereitung für eine Bewegungsjagd wird oft vergessen, sie ist aber aus Unfallverhütungsgründen und auch aus Gründen des jagdlichen Erfolgs enorm wichtig. Im Jagdbetrieb ist darauf zu achten, dass bei Hochsitzen, Leitern oder Drückjagdböcke schon beim Bau, auch bei angekauften Bausätzen, die Sprossen und Fußböden mit dem Draht versehen werden. In vielen Revieren passiert das leider nicht immer. So kommt es häufiger vor, dass der Jäger bei schlechten Witterungsverhältnissen unnötig in Gefahr gebracht wird. Auch diese Kleinlichkeit gehört zu einer guten Jagdvorbereitung dazu.

Antonius von Papen

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Antonius von Papen ist Betreiber des Blogs www.werjagtwas.de, natürlich Jäger und Inhaber eines Jagdparcours im Westerwald, den ich Jägern und Sportschützen nur wärmstens empfehlen kann.

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