Zunehmende Hilflosigkeit

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Zunehmende Hilflosigkeit

oder

Gustave LeBon hat Recht

 

Ich glaube, meine Leser hier kennen mittlerweile meine Einstellung zu bestimmten Themen, vor allem die zu Jagd und Umwelt. Deswegen ist es eigentlich Quatsch, dass ich mich da nochmal und nochmal oute. Das ermüdet, denkt man sich als halbwegs folgerichtig denkender Mensch. Das stimmt. Stimmt aber auch wieder nicht. Denn die Welt wird nicht durch die Intelligenten beherrscht, sondern durch die Bedenkenlosen. Da sind sogar einige Intelligente darunter, wenn auch der derzeitige amerikanische Präsident damit nicht gemeint ist. Bedenkenlose setzen nicht auf Intelligenz, also nachprüfbare Fakten, sondern auf Emotionen und, vor allem, ständige Wiederholung auch des größten Unsinns. Das nennt man auch „nicht faktenbasierte Propaganda“, d. h., selbst grobe Unwahrheiten werden mit erstaunlichem Erfolg als Realität, als Fakt dargestellt – und abgenommen! Gerade wir Deutsche hatten diesbezüglich schon richtige Genies am Start.

Nun kann man ja sagen: Da stehe ich drüber. Aber ich habe da so meine Bedenken, nämlich die, dass man mit der Einstellung den „Experten“ voll in die Karten spielt. Ich habe irgendwo schon mal Marie von Ebner- Eschenbach zitiert: „Der Klügere gibt nach – in dem Satz ist das Elend der Welt begründet.“ Man muss also dagegenhalten. Aber wie? Fakt ist: Wenn jemand auf der Klaviatur Emotionen spielt, hast Du mit faktenbasierter Diskussion sowieso keine Chance. Der Psychologe Gerd Gigerenzer bringt das in seinem lesenswerten Buch „Risiko“ so zum Ausdruck:

„Wenn ein Konflikt zwischen der Vernunft und einer starken Emotion vorliegt, verzichte auf Argumente. Mache Dir lieber eine gegensätzliche und stärkere Emotion zunutze.“ 1)

Ita est. Und so denke ich mir aus gegebenem Anlass: Warum soll ich mich nicht immer mal wieder zu gewissen Themen äußern? Warum soll ich den Populisten das Feld überlassen? Warum soll ich nicht deren Instrumentarien nicht nur sezieren, sondern im Einzelfall sogar deren Methoden übernehmen? Ich meine, ich will damit zwar keine steuerfreien Spenden eintreiben oder Wähler ködern, aber es bleibt die Hoffnung, dass sich eventuell doch der eine oder andere findet, der daraus für seine eigenen Diskussionen Argumente ableitet und verwendet.

Soviel dazu. Aktueller Auslöser, der gegebene Anlass, mich mal wieder genervt zu melden, war ein Artikel, der im Internet von Spektrum veröffentlicht wurde. Das war der berühmte Tropfen. Ich meine, ich finde Spektrum nicht so schlecht, andere sogenannte populärwissenschaftliche Publikationsorgane sind da in Sachen Populismus erheblich weiter. Aber auch Spektrum verirrt sich gelegentlich. Gewaltig. Hier der Link:

https://www.spektrum.de/news/klima-chaos-vertrieb-wikinger-von-groenland/1622788?utm_medium=newsletter&utm_source=sdw-nl&utm_campaign=sdw-nl-daily&utm_content=heute

Ein Dokument der hilflosen Widersprüchlichkeit. Da wird, mal wieder, von Erdbahnschwankungen geredet, die die rätselhaften und zum Teil sehr kurzfristigen Klimaschwankungen der Vergangenheit zu erklären versuchen, vor allem die der letzten 12.000 Jahre, die aus vielfachen Proxy- Daten bestens belegt sind.

Wo gibt es Beweise für die These, dass sich die Erdbahn geändert hat? Nirgendwo! Das ist die Krücke, die flugs geschaffen wurde, als die kühn behauptete angebliche Kausalität „anthropogen erzeugtes CO2 gleich Erwärmung“ in den Verdacht geriet, eine ganz profane Korrelation zu sein: Eins der heiligen Prinzipien aller Populisten, „cum hoc, ergo propter hoc“, geriet in Gefahr. Und das war und ist für die Experten schlecht, denn mit nichts lässt sich so viel Geld verdienen, lassen sich so viele Forschungsmillionen einwerben wie mit populistischen Themen. Also musste – prophylaktisch, bevor das hochkocht und gefährliche Eigendynamik gewinnt – schnell ein eingängiger alternativer Erklärungsansatz für die Frage her, warum denn die letzte Eiszeit vor ca. 12.000 Jahren praktisch von heute auf morgen abrupt endete, mit einem Temperatursprung (global) von ca. 6 bis 7°Celsius im Durchschnitt und in ganz kurzer Zeit. Ganz ohne Kohlekraftwerke, ohne zig Millionen Autos, ohne Erdöl-, Chemie- und Schwer- Industrie, die gab´s damals nicht. Wenn ja, haben die Altvorderen die gründlichst recycelt bzw. erstaunlich gut vor unseren Archäologen und Ausgräbern versteckt.

Warum, siehe Artikel, ab ca. 1250, 1300 n. C. das hochmittelalterliche Klimaoptimum endete und die „Kleine Eiszeit“ begann, das Optimum, das nicht umsonst Optimum hieß. Weil es nämlich eine Explosion an kultureller Blüte, wirtschaftlichem Wachstum (so gut wie alle deutschen Stadtgründungen nach der Römerzeit fielen in diese Zeit) und damals als unbedingt positiv empfundenem Bevölkerungswachstum ermöglichte: Es gab kaum noch Missernten und damit praktisch keinen Hunger mehr, das Leben insgesamt war gesünder, weniger gefährlich, entspannter, vor allem friedlicher. Wie übrigens im Römerzeit- Optimum auch. Die Alpen waren fast komplett eisfrei, die Grönlandgletscher schmolzen ab – na herrlich, haben die Realisten damals gesagt, die Wikinger gehörten dazu, besser geht´s nicht.

Heute bestimmen aber nicht die Realisten, sondern die Alarmisten den Diskurs. Und die deuten das Ganze flugs um zur Katastrophe, zur absoluten Katastrophe, „alles, alles angerichtet“ diesmal nicht von den Novemberverbrechern, sondern „vom Menschen“. 2) So schafft man ein kollektiv schlechtes Gewissen, was in normalen Gesellschaften eigentlich Aggression, in Überflussgesellschaften wie der deutschen aber stattdessen bekanntlich die Spendenfreudigkeit befeuert. Nicht nur Böswillige reden hier auch von Ablasshandel in der modernen, vor allem typisch deutschen Version.

Zurück zum Thema: Es musste eine eingängige Erklärung für diese offensichtlichen Widersprüche her, um eventuelle kritische Diskussionen von vornherein abzuwürgen. Es musste aber eine sein, die zwar vordergründig eingängig, aber nicht überprüfbar war. Erdbahnschwankungen! Ja, da liegt´s! Für die Vergangenheit zwar völlig unbeweisbar, aber was soll´s: Das wird jetzt mit Hilfe der großen Mehrzahl der deutschen Redaktionsstuben in die Köpfe gehämmert. Gustave LeBon, der Begründer der Wissenschaft der Massenpsychologie, lässt grüßen:

„Die reine, einfache Behauptung ohne Begründung und jeden Beweis ist ein sicheres Mittel, um der Massenseele eine Idee einzuflößen. Je bestimmter eine Behauptung, je freier sie von Beweisen und Belegen ist, desto mehr Ehrfurcht erweckt sie. ……. Die Behauptung hat aber nur dann wirklichen Einfluss, wenn sie ständig wiederholt wird, und zwar möglichst mit denselben Ausdrücken. Napoleon sagte, es gebe nur eine einzige ernsthafte Redefigur: die Wiederholung. Das Wiederholte befestigt sich so sehr in den Köpfen, dass es schließlich als eine bewiesene Wahrheit angenommen wird.“

  • Aus „Die Psychologie der Massen“, Gustave LeBon

LeBon haben alle Populisten und Bedenkenlosen verinnerlicht, angefangen von Caesar über Napoleon bis hin zu Hitler, Stalin und Mao. (Auf neudeutsch wird das heute manchmal als „Kampagnenfähigkeit“ verkauft, und dafür gibt´s richtiggehende Lehr- und Studiengänge. Man wundert sich wohl nicht, wenn man hört, dass gut 90 % der Beleger dieser sauteuren Seminare Funktionäre und Häuptlinge von NABU, BUND, Greenpeace usw. sind. Scientology allerdings hat nach intensivem Studium jetzt eigene Fortbildungs- Lehrgänge.) Von Skrupeln sind und waren Populisten nie angefasst, denn der Zweck heiligt die Mittel, und grundsätzlich wird dem gläubigen Anhang eingebimst: Wir sind die Guten! 3) Darüber hinaus hält sich auch das Risiko in Grenzen: Die Idioten da draußen lesen sowas wie LeBon sowieso nicht, und kritische Analyse ist den Allermeisten fremd. Die, die nachdenken und kritisieren, werden dann zwar nicht widerlegt, was ja nicht geht, aber sie werden wirkungsvoll propagandistisch mundtot gemacht. Siehe LeBon.

Kommen wir wieder zum Diskurs zurück: Das Konstrukt „Erdbahnschwankung“ ist zwar konkret und zeitlich exakt für die Vergangenheit nicht rekonstruier- und damit beweisbar, aber, und das macht es so genial, aus dem gleichen Grunde eben auch nicht widerlegbar. Und dann gilt eben die Rattenfänger- Wirklichkeit, die LeBon so klar erkannt hat: Eine völlig unbewiesene Behauptung, im Brustton der Überzeugung mit ganz einfachen Schlagworten vorgetragen und möglichst oft und, vor allem, auf breiter Front vorgetragen und immer und immer wieder  wiederholt – das ist der Garant für Öffentlichkeitswirkung. Das gilt übrigens nicht nur für die Klima- Debatte. Diesel- und Feinstaub- Alarm, „le Waldsterben“, Rinderwahn, Ozonloch, die gerade aktuelle NOx– Burleske: Alles folgt diesen Regeln.

Und merke wohl, verehrter Leser: Nicht, dass Sie jetzt meinen und darauf hoffen, den nervenden Verbots- Fanatikern gingen irgendwann die Themen aus. Das wird nie geschehen. Denn verboten werden muss, um jeden Preis. Selbst wenn es um so wahrhaft weltbewegende Dinge geht wie z. B. Kaminöfen. Kaminöfen!

Richten wir uns diesbezüglich getrost auf die nächste Grenzwert- Debatte und Verbots- Orgie ein, hilfreiche Idioten in der Politik finden sich die Menge. Man springt eben auf den Populismus- Zug auf, auch wenn man den Vorwurf desselben immer empört von sich weist, und gießt den Wahnsinn in Gesetzesform. So explodieren z. B. die Bau- und Energiepreise – und damit natürlich die Mieten und Nebenkosten. Über die sich die Verursacher der Misere dann öffentlichkeitswirksam furchtbar aufregen, aber statt auf sich selbst hoch empört auf die „Absahner“ der Bauindustrie, die „Ausbeuter“ der Wohnungswirtschaft hinweisen. Mit tätiger Hilfe des Großteils der Presselandschaft richtet sich der Volkszorn dann gegen ebendieselben. So lebt´s sich bequem.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass danach z. B. Waldbrände (CO2– Emissionen!) verboten werden. Und Vulkanausbrüche mit ihren jährlich Millionen Tonnen an giftigen Stick- und Schwefeloxiden, Verzeihung, Oxid*inn*en, an Aschen und Schwermetallen. Auch die Schwarzen Raucher im mittelatlantischen Rücken dürften wohl bald auf den Schirm geraten. Die stoßen jeden Tag Tausende Tonnen an Quecksilber, an Methanverbindungen, sonstigen tödlichen Giftmix in den Atlantik aus! In unser Meerwasser!! Das geht nun gar nicht! Es wird Zeit, diese Umweltverpester per Gesetz abzuschaffen.

Es gibt aber auch Gerüchte, dass die BFL GmbH zur Zeit eine Umsatz- Explosion zu verzeichnen hat. Die stellen gelbe Warnwesten her.

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Kirchveischede, 10. Februar 2019

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Manfred Nolting

Ein Jagdmensch

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1) Der Begriff „Umwelt“, was immer individuell damit gemeint ist, und jeder versteht natürlich etwas anderes darunter, ist zu einer diesbezüglichen Universal- Totschlagkeule hochgejazzt worden. Wer im Namen der angeblich bedrohten Umwelt spricht, ist ohne jede weitere Prüfung im Recht. 

2) Wobei eine kleine Einschränkung beim Begriff „Menschen“ gemacht werden muss: Gemeint sind nur die Menschen, die nicht die Grünen wählen bzw. Mitglied beim NABU, BUND, Greenpeace, PeTA, DUH etc. sind. Mitgliedschaft in und Spenden an solche(n) Organisationen adeln nämlich, man gilt als weltanschaulich durchgebildet und umweltbewusstlich (schönes Wort!) exkulpiert, quasi dauer- absolutiert. Damit kann man sich mit ruhigem Gewissen den wichtigen Themen im Leben zuwenden: Bis zu dreimal im Jahr per Jet Urlaub in der Karibik machen, den Immobilienmarkt in der Toskana durcheinanderbringen, Indonesien entwalden (Stichwort „Palmöl“) und ähnliche Allotria mehr.

3) „Meines Erachtens ist die Frage offen, ob „gute Absichten + Dummheit“ oder „schlechte Absichten + Intelligenz“ mehr Unheil in die Welt gebracht haben. Denn Leute mit guten Absichten haben gewöhnlich nur geringe Hemmungen, die Realisierung ihrer Ziele in Angriff zu nehmen. Auf diese Weise wird Unvermögen, welches sonst verborgen bliebe, gefährlich, und am Ende steht dann der erstaunt- verzweifelte Ausruf: „Das haben wir nicht gewollt!“

Ist es nicht oft gerade das Bewusstsein der „guten Absichten“, welches noch die fragwürdigsten Mittel heiligt? Den Leuten mit den „guten Absichten“ fehlt auf jeden Fall das schlechte Gewissen, welches ihre Mitmenschen mit den schlechteren Absichten vielleicht doch manchmal ein wenig am Handeln hindert. Es ist oft gesagt, aber selten gehört worden, dass der abstrakte Wunsch, allen Menschen das Paradies zu bereiten, der beste Weg zur Erzeugung einer konkreten Hölle ist. Das hängt mit den „guten Absichten“, die auch ohne jede Kompetenz zum Handeln antreiben, eng zusammen. (Denn das Gute muss natürlich durchgesetzt werden, koste es, was es wolle).“

 Dietrich Dörner, „Die Logik des Mißlingens“, Rowohlt 1992, S. 16

 4) Im Artikel selbst ist von „kühlen Temperaturen“ die Rede – whow! Sprechen solche Typen eigentlich muttersprachlich deutsch? „Kühle Temperaturen“. Ich kenne hohe, niedrige Temperaturen. Aber keine kühlen, kalten oder warmen. Das, mit Verlaub, ist Pidgin- Deutsch, genau wie der Terminus „Klima- Erwärmung“. Wasser, das Meer, die Atmosphäre können sich erwärmen. Das Klima mit Sicherheit nicht.

 

 

 

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4 Kommentare zu Zunehmende Hilflosigkeit

  1. Ronald Braun sagt:

    Das ist sooo böse!
    Wie kann ein halbwegs gebildeter Mensch solche Wahrheiten einfach so in die Gesellschaft blasen?
    Das verunsichert jeden Gläubigen!
    Ich kann zwar beruhigt davon ausgehen, das nicht allzu viele das lesen und noch weniger inhaltlich verstehen, aber es wird Mitmenschen (wie sie oben beschrieben sind) eben stark verunsichern (hoffe ich).
    ….und ja Manfred du hast recht, aber gibt es dir auch das Recht diese Leute zu wecken?
    Sie verschlafen (wachen Zustands), eingelullt von gewissenslosen Gesellen ihren eigenen Untergang.
    Sie applaudieren ihren Scharfrichter, ich nenne das selbstgemachte Elend!

    • Manfred Nolting sagt:

      Ronald, wir beide kennen das doch, das alte deutsche Sprichwort: Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Schlächter selber. Es scheint mittlerweile sogar sowas wie ´ne Mehrheit dafür zu geben …. Hauptsache, warm und gemütlich.

  2. Helmut Reinhardt sagt:

    Wie immer – toll geschrieben.
    Viele Grüße!

  3. Raimund Helmstetter sagt:

    Danke

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