Das ZDF und planet.e

 

 

Das ZDF und planet.e

oder

Wie aus dem Ruder gelaufene Ableger einem das Leben ganz schön schwermachen können

 

Eigentlich wollte ich mich zu dem Thema ja nicht äußern. Es war mir schlichtweg zu dämlich, zu niveaulos, zu prollig, zu er-te-ell- ig. Aber gestern Abend rief mich mein Freund Elmar an und schickte mir dann seine Mail an die ZDF- Redaktion zur Kenntnis rüber. Was mich aber aus dem Stand auf die Fichte brachte, war die pomadige, von keiner Sachkenntnis getrübte Antwort des Herrn Angres. Zwischen den Zeilen liest man: Der Mann ist erschrocken. Er ist völlig überrascht und konsterniert ob der wirklich unerwartet harten Reaktion der Jäger, er bangt um seine Stellung. Und dabei hatte Welz ihm gesagt, das sei alles völlig harmlos, da komme eh nichts. Nur: Welz hat sein Geld, und alles andere geht ihm am A…. vorbei. Aber Angres hat Stress. Er würde wahrscheinlich jetzt am liebsten den Jahresurlaub nehmen, aber das geht auch nicht. Zu viel Theater. Er kann aber wiederum, allzu menschlich, jetzt nicht mehr so ohne weiteres von seiner Position runter. Wie steht man denn dann da? Dabei wäre alles viel schöner, wenn, wie gewohnt, jetzt bald alles zu Ende wäre. Die Diskussion. Und überhaupt alles. Herrje! War doch nur ein Beitrag über Jäger! Was wollen die schon groß, die paar Hanseln? (Hat Welz gesagt.)

Jetzt könnte man sagen: Na ja, lass´ die Pfeifen vom ZDF in Ruhe. In zwei Wochen redet eh kein Mensch mehr von der Sache. Die Jagdverbände sowieso nicht, die halten wie gewohnt still. Und wenn die sich nicht aufregen, warum sollen wir das tun?

Aber ich bin jetzt stinkig. Wie immer, wenn ich das Gefühl habe, dass jemand seine vermeintlich sichere Position dazu ausnutzt, Lügen zu verbreiten oder in sonst irgendeiner Weise seine ureigenen persönlichen Verirrungen auf Kosten der Allgemeinheit auszuleben. Und dann kann ich manchmal ausgesprochen halsstarrig und auch ausdauernd lästig werden. Meine Frau sagt immer, ich soll das nicht so eng sehen. Aber sie versorgt mich dann trotzdem immer mit Kaffee und legt meine anderen Termine um.

Was ist geschehen?

Im Grunde wenig. Ein Beiträgsken von planet.e zur Jagd. Vergangenen Sonntag. Planet e. Planet e ist, wie jeder weiß, so etwas wie ein Ableger des ZDF. Wie auch jeder weiß, gehört das ZDF zu den öffentlich- rechtlichen Sendern in Deutschland. Die sind also, auch das wissen wir alle, nicht von Werbeeinnahmen oder sonstigen profanen Erwerbsquellen abhängig, sondern werden üppigst alimentiert vom deutschen Steuerzahler. Oder den Haushalten, wie Sie wollen. Fakt ist: Wir zahlen, und wir haben keine Wahl. Wir müssen. Weil´s dem Erziehungsauftrag des Staates entspricht. Weil man für solche Vorschussleistungen ja auch eine Gegenleistung erwarten dürfen sollte, versichert uns die Politik (und natürlich das ZDF) als Gegenleistung für unsere brave Zahlungsbereitschaft, dass es uns verschont mit Sendungen von der Güte, Qualität und dem geistigem Nährwert wie „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“ oder sonstiger geistiger Bulimie. Das hat der Steuer- und Gebührenzahler akzeptiert. Zähneknirschend zwar, aber immerhin.

Manchmal aber, manchmal macht das ZDF von seinen Versprechungen klammheimlich Ausnahmen. Es bulimiert dann. Heftig.

Warum, weiß ich nicht, und es gibt auf den ersten Blick auch keine Regeln und Anzeichen für solche Ausbrüche. Aber wahrscheinlich liegt es einfach daran, dass wir alle Menschen sind, dass Mitarbeitern wie Herrn Angres, Herrn Welz von ihren Vorgesetzten nicht mit der nötigen Sorgfalt auf die Finger geschaut wird, wie sie bei Sachbearbeitern nun mal geboten ist, kurz: Wir erleben das Peter- Prinzip in seiner schönsten Ausprägung. Und dabei kommt dann eine Sendung heraus wie:

planet e.: Jäger in der Falle – Dokumentation, Sonntag, 19.01.2014, Beginn: 14:40 Uhr, Ende: 15:10 Uhr; Regie: Berndt Welz

Tröröö! Um es kurz zu sagen: Es war ein „Schuss in den Ofen“, wie wir das hier in Westfalen sagen. Nicht nur, dass ein so sinistrer Zeitgenosse wie Dominik Storr sich völlig ungehemmt und, vor allem, unkommentiert verbreiten durfte, quasi als „Jagdexperte“ vorgestellt wurde. Der Mann ist, sagen wir´s vorsichtig, psychisch, emotional und weltanschaulich ein wenig außerhalb des Normalen. Zum Hintergrund: Storr gehört in den Dunstkreis der Sekte „UL Universelles Leben“, die einer mittlerweile wohl ziemlich betagten „Prophetin“ hinterherrennt, der wiederum vom Bayrischen Verfassungsgericht höchstrichterlich bescheinigt wurde, dass ihre Ziele nicht mit der Verfassung und freiheitlich- rechtlichen Grundordnung im Einklang stehen. Dazu muss man´s erst mal bringen bei den Bayern! Die sind bei Spinnern bekanntlich hart im Nehmen. Storr hat sich nie distanziert von dieser Szene. Aber er wird von Herrn Welz als honoriger Zeuge zur Jagd zitiert und fleißig mit Sendezeit bedacht.

Der Herr Wohlleben wiederum hat da ganz andere Probleme. Hohes Sendungsbewusstsein, gepaart mit Humorlosigkeit, dazu nicht so richtig progrediert im Beruf, das treibt einen um: Da nimmt man gern die Möglichkeit wahr, seine allein gültige forst- und jagdwissenschaftliche Sicht der der Dinge aller Welt möglichst laut zu verkünden, Fakten hin, Fiktion her. Schließlich sind wir im ZDF, Mama wird stolz sein. Und Herr Welz hat gesagt, es sei in Ordnung. Falls der Chef meckern sollte.

Auch sollte man mal recherchieren, wie die Genfer „Kantonisten“ das zur Zeit erleben mit dem per Volksentscheid errumpelten Jagdverbot. („Recherche“, liebes ZDF, nennt man es, wenn man seine geplanten Sendungen, deren Inhalte auf Konkludenz, Wahrheitsgehalt und Belastbarkeit hin überprüft, um seinen Auftraggebern, den Bürgern, der Öffentlichkeit, möglichst neutrale, unverzerrte, ideologisch nicht vorbelastete Informationen zu vermitteln.) Denn gejagt wird im Kanton Genf nach wie vor, nur mittlerweile von staatlich bezahlten „Wildhütern“, die natürlich die Tiere nicht „jagen“ oder „schießen“, sondern „der Wildbahn entnehmen“. Bezahlen tut´s jetzt nur der Steuerzahler, weil die „Wildhüter“ im Gegensatz zu den „Jägern“ eben staatlich alimentiert werden, Urlaubs- und Pensionsansprüche haben und natürlich nur 5-mal die Woche für je 8 Stunden ihrer Tätigkeit nachgehen müssen. Das kostet die Genfer Kassen jedes Jahr Millionen an Fränkli, statt wie früher satte Jagdeinnahmen verbuchen zu können. Das wiederum kann den bundesdeutschen ZDF- Jüngern am A…. vorbeigehen, weil´s ja nicht das deutsche Steueraufkommen betrifft, der Intendant deswegen keine Mittelkürzungen befürchten muss und einen nicht zum Rapport bestellt. Und, zu allem Überfluss, sterben tun die Viecher nach wie vor. Nur eben, nachdem sie möglichst viel Flurschaden angerichtet haben, und nicht durch Jägerhand, sondern durch Wildhüter´s Pflege. Oder irgendwo verkeimt, parasitiert und völlig entkräftet unter irgendwelchen Büschen, in irgendwelchen Löchern. Die Bauern und Winzer schäumen währenddessen vor Wut, vor allem die Nachbarkantonsbauern und –winzer, aber was soll´s! Die Genfer selbst wiederum sind mittlerweile völlig entnervt von der Situation, von untragbaren Wildschäden, von Zuständen wie bei „Hempel´s unter´m Sofa“, wildbiologisch gesehen. Alles problemlos nachzulesen. In der Presse, im Internet. Wenn man´s denn will. Aber da seien Herr Welz, Herr Angres und ihre Jagdexperten Storr und Wohlleben vor.

Kommen wir jetzt zum Kern: Ich behaupte, dass sowohl Herr Angres als „Leiter der Umweltredaktion“ als auch Herr Welz als „Regisseur“ wussten, dass sie „bullshit“ verbreiten, dass sie das gegen besseres Wissen taten im Vertrauen darauf, dass das einmal mehr ohne irgendwelche weitere Folgen bleiben wird. Damit ich klar rüberkomme: Manchmal ist es zulässig, an ein Thema ein wenig provokant heranzugehen. Aber das hat da seine Grenzen, wo erstens) das Thema nun wirklich keiner Klarstellung mehr bedarf und zweitens), muss ich dabei zumindest im weitesten Sinne bei der Wahrheit bleiben. Beides trifft bei dieser „Berichterstattung“ nicht zu.

Im Klartext: Ich behaupte ganz offen, dass zumindest die beiden gegen jedes bessere Wissen in weiten Passagen, vor allem in wesentlichen Inhalten bewusst gelogen haben.

Ich weiß, ich weiß, wenn man „Lügner“ genannt wird, kann man als Betroffener dagegen rechtlich angehen. Man hat erstens einen Unterlassungs-, danach auch einen Entschädigungsanspruch. Allerdings nur, wenn man Recht hat und auch tatsächlich kein Lügner ist. Und da wird´s, denke ich, eng für die Herren. Und ich sehe damit jeder, ausdrücklich auch jeder juristischen Reaktion des ZDF also mit Interesse entgegen.

Was bleibt? Welz und Angres werden bleiben, was sie sind: Aus öffentlichen Mitteln bezahlte Lügner. Und das ZDF wird nicht mehr behaupten können, es wäre nicht der / das „RTL“. Wir Jäger können weiter verkünden, dass das ZDF wissentlich Unwahrheiten verbreitet. Zumindest da haben wir jetzt klare Verhältnisse.

Bleibt die Frage, was mich dazu treibt, mich hier so klar zu äußern. Ganz einfach:

1. Ich kann´s nicht haben, wenn dreist und unverblümt gelogen wird, egal, über wen auch immer.

 2. Erst recht nicht, wenn über die Jagd, über mich als Jäger gelogen wird.

 3. Und schon mal gar nicht, wenn ich die Lügner dann für ihre Lügen auch noch selbst bezahlen muss.

Kirchveischede, den 24. Januar 2014

Mit Weidmannsheil,

Manfred Nolting

Ein Jagdmensch

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