Die Bleilüge


Die Bleilüge

oder

Bleivergiftung und die toten Seeadler

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Seit einigen Jahren eine never ending story – Auftritt des mit düster- betroffenem Dackelblick schauenden Veterinärs (übrigens immer der gleiche!), der einen toten Seeadler seziert. Die Bilder tun ein Übriges, denn ein toter Seeadler bietet einen jämmerlichen Anblick, nicht entfernt in Einklang zu bringen mit dem stolzen, kraftvollen Anblick des lebenden Tieres, dem Bild also, das man von diesem schönen Vogel einfach im Kopf hat. Dann das geheimnisvolle Geraune – Bleivergiftung!! Woher kann´s kommen? Jäger!! Bleihaltige Munition!! Natürlich fordert er nicht expressis verbis ein Verbot bleihaltiger Munition, nein, so plump ist er nicht, aber zwischen den Zeilen steht es gedruckt, denn alle seine Ausführungen sind so aufgebaut, dass der unbefangene Zuschauer (wir erinnern uns, zu gut 99,5 % Nichtjäger!) gar keinen anderen Schluss ziehen kann, als dass a) nur die Jagd schuld sein kann an der Misere und b) dass zumindest die bleihaltige Munition verboten werden muss. Und das will der so überaus seriös informierte Bürger dann natürlich zwingend, denn ein Seeadlerschutz- Verhinderer will niemand sein; eine andere Alternative aber lässt die perfide Darstellung mental gar nicht zu.

Dass aber so gut wie alle Behauptungen nicht im Geringsten gegengeprüft sind, sondern schlicht nur Behauptungen sind, das wird an keiner Stelle erwähnt. Es ist nämlich keineswegs sicher, dass die verendeten Seeadler ursächlich an erhöhten Bleiwerten eingegangen sind, sondern dass, wenn vorhanden, die höhere Bleikonzentration nur ein Puzzlestein im Gesamtbild der körperlichen Konstitution ist, ein Element von vielen also. Sicher ist, dass die Behauptungen, die tatsächlich gegengeprüft wurden, sich regelmäßig entweder als (bewusst?) falsch erwiesen haben bzw. in der ursprünglichen Form nicht mehr haltbar sind, und dass merkwürdigerweise alle Behauptungen nicht im Entferntesten in Einklang zu bringen sind mit den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit, Statistik und schlichter Logik. Aber wen kümmert´s? Die Botschaft ist in den Köpfen!

Schauen wir uns die Argumente im Einzelnen an.

Unbestreitbar ist im Blut einiger toter Seeadler Blei nachgewiesen worden, was natürlich sofort als „erhöhte Konzentration“ verkauft wurde. Erhöht? Gegenüber welchem Referenzwert dann? Absolut? Relativ? Und was, wenn man ihn dann endlich einmal genannt bekommt, sagt dieser Referenzwert denn aus? Wer hat ihn aufgestellt? Fragen Sie mal einen dieser Experten danach, Sie werden dann beleidigt- arrogant- aggressiv sofort abgemeiert und in die Seeadlerschutz- Verhinderer- Ecke gedrängt und damit wirkungsvoll mundtot gemacht. Und stereotyp heißt es, bis zum Erbrechen wiederholt, denn steter Tropfen höhlt den Stein: Kann nur von der verwendeten Jagdmunition kommen. Denn die von Jägern verwendete Büchsenmunition bei der Schalenwild- Jagd hat einen Bleikern, Schrot besteht bzw. bestand zu 100 % aus Blei. Dies ist einfach dem Umstand geschuldet, dass Blei auf Grund seiner deutlich höheren spezifischen Dichte gegenüber allen anderen Metallen (außer Gold, Uran natürlich) dem Geschoss wegen der damit  möglichen größeren Querschnittsbelastung einen höheren Bewegungsimpuls und damit „Durchschlagskraft“ verleiht, Eigenschaften, die den Forderungen nach der auch gesetzlich angestrebten Soforttötungs- Eigenschaft eines Jagdgeschosses wesentlich entgegenkommen. Manche Büchsengeschosse aber, vor allem die preiswerteren mit einem technisch relativ anspruchslosen Aufbau (nicht „gebondet“, wie das neudeutsch heißt), können im Wildkörper zersplittern, kleinere Stücke sind dann nicht mehr aus dem Wildbret bzw. den Innereien zu entfernen. Da der Aufbruch eigentlich regelmäßig im Wald bzw. der Wildbahn verbleibt, bedienen sich verschiedene „Freibeuter“ wie Fuchs, Dachs, Wildschwein und eben auch der Seeadler an der üppigen und bequemen Nahrungsquelle, und mit dem Aufbruch werden dann natürlich diese kleinen Bleipartikel aufgenommen. Die Jäger und andere Wildbret- Verzehrer essen das Wildbret, haben das seit ewigen Zeiten getan, haben damit nicht aufgehört, als sie anfingen, mit Bleigeschossen zu schießen, bis heute, und es ist noch kein Fall bekannt, dass irgendjemand wegen akuter Bleivergiftung gestorben, geschweige denn am Tisch umgesunken wäre. Und dennoch dient genau dieses Argument als Begründung für die Forderung nach bleifreier Munition. Dass die ersatzweise geforderte Munition mit Geschossen aus reinem Kupfer im starken Verdacht steht, in höherer Konzentration stark toxisch zu sein, von den schlechteren außenballistischen Eigenschaften einmal abgesehen, das sagen wir der Öffentlichkeit nicht, die darf nicht zu schlau gemacht werden.

Und was bei der Diskussion ganz untergeht, sind verschiedene ganz banale Fragen: Warum nur sterben in anderen Landstrichen nicht reihenweise Füchse und Sauen an dieser vermeintlichen „Giftfracht“? Denn in Regionen, in denen es überhaupt keine Seeadler, aber sehr wohl intensive Jagd gibt, ist bisher nicht ein einziger Fuchs, nicht ein einziges Wildschwein, die Wildtiere also, die dort den Aufbruch wegräumen, je an Bleivergiftung eingegangen (in den Gebieten mit Seeadlern übrigens auch nicht, dort werden auch nur Seeadler als „Opfer“ vor die Kameras gezerrt; macht einfach mehr her). Es stellt sich auch die Frage, wie der beklagte angeblich artbedrohte Zustand der Seeadlerpopulation mit dem explosionsartig ansteigenden Beständen gerade der letzten zwanzig Jahre in Einklang zu bringen ist? Wir haben, zumindest in Norddeutschland, mittlerweile die höchste Bestandsdichte an Seeadlern seit Menschengedenken, mit starker Tendenz zur weiteren Verbreitung und Ausdehnung auf bisher noch unbesiedelte Gebiete. Weiter stellt sich die Frage, wie es zu erklären ist, dass dieses Phänomen erst neuerdings auftaucht? Denn seit es bleihaltige Munition gibt, seit immerhin mehreren hundert Jahren, wird diese zur Jagd benutzt, ob als Massivgeschoss oder als Schrot. Unstrittig ist weiter, dass bis zur flächendeckenden Zersiedelung Deutschlands ungefähr um 1950 herum sehr viel höhere Jagdstrecken erzielt wurden als heute, speziell und vor allem bei der Niederwildjagd, also auch der Wasserjagd, mit dem entsprechend sehr viel höheren Bleieintrag durch Munition in die Umwelt. Ganz offensichtlich kamen die Natur und unser Wild aber bis vor kurzem problemlos damit klar. Aber vielleicht folgt das ganze Horrorszenarion ja auch ganz anderen Gesetzmäßigkeiten. Mein Freund Gerhard, Arzt und Jäger (beides sehr!), sagt nämlich dazu: „Das ist wie mit der Medizin. Es gibt keine gesunden Menschen auf dieser Welt, sondern höchstens nicht gründlich genug untersuchte.“ „Le Waldsterben“ lässt grüßen. Nur: Warum dieses ganze Theater? Es drängt sich der Schluss auf, dass, wieder einmal, der Sack geschlagen wird und der Esel getroffen werden soll, und der Esel sind einmal mehr die Jagd bzw. die Jäger.

Denn gehen wir noch einen Schritt weiter, reibt man sich die Augen: Das ursprünglich zum Beweis der Bleivergiftung bei Seeadlern herangezogene Gutachten erwähnt in seiner englischen Grundversion überhaupt keine Bleimunition, sondern ausdrücklich und ausschließlich andere (und sehr viel plausiblere) Ursachen: „The nonessential heavy metals lead (Pb), cadmium (Cd) and mercury (Hg) are emitted and globally distributed mainly through industry, traffic and consumption of fossil fuels.“ In der deutschen Übersetzung aber wird plötzlich von unbekannten Blei- Expositionen gesprochen. Wenn ein Jagdgegner eine solche Steilvorlage bekommt, wird´s regelmäßig auch ein Tor: Die Jäger sind´s, bzw. ihre Munition. Wobei natürlich klar ist, dass das Ergebnis in beiden Fällen das gleiche ist, nämlich eine weitere Einschränkung der Jagd.

Die tatsächlichen Ursachen für das Vorhandensein von Blei in unserer Umwelt sind ganz andere als Jagdmunition, als da nämlich sind:

  • Der Eintrag über Abgase unserer Industrie,
  • die flächenmäßig vorhandene Verseuchung unserer Böden durch das Blei, das noch bis vor ca. 20 Jahren in hoher Konzentration unserem Benzin beigemischt worden ist (zur Vermeidung von Frühzündungen, vulgo „Klopfen“ der Motoren), und das auf diesem Weg in Tausenden von Tonnen in die Landschaft gepestet wurde,
  • das jahrzehntelange Ausbringen von Millionen von Tonnen verseuchter Klärschlämme auf landwirtschaftliche Flächen.

Dieses Blei ist also überall reichlich vorhanden in der (bzw. in unserer) Natur, und es reichert sich in der Nahrungskette zu immer höheren Konzentrationen an, ein ganz natürlicher Vorgang. Ob der Wert am Ende der Ernährungspyramide aber tatsächlich toxisch genannt werden darf, steht nicht nur völlig in den Sternen, sondern darf füglich auch bezweifelt werden. Die modernen Nachweismethoden wie z. B. die Gas- Chromatographie lassen Nachweise von Stoffen noch im Pikogramm- Bereich und feiner zu. Nun wird dann als Belastung z. B. eine Größe von sagen wir 50 Pikogramm Blei pro Kilogramm Körpergewicht angeben. Schrecklich! Der Experte könnte natürlich auch von „50 Billionstel Gramm“ (10-12) sprechen, soviel ist das nämlich; ein Nanogramm, nebenbei bemerkt, ist ein Milliardstel Gramm (10-9). Nur hört dann kein Mensch mehr weiter zu. Weil´s nicht nur völlig harmlos klingt, sondern auch tatsächlich ist. Wenn man dann vorher, wie in Deutschland üblich, einen völlig unrealistischen Grenzwert aus dem blauen Himmel gegriffen hat, sind plötzlich und von heute auf morgen nicht nur die halbe Menschheit, sondern so gut wie alle endpyramidalen Beutegreifer toxisch kontaminiert. Jetzt kommt Panik auf. Und in dieser Panik tritt ein bekanntes Phänomen auf: Es wird hektisch nach einer bisher unerkannten Verseuchungsquelle gesucht, die tatsächliche (rein statistische) Ursache aber, nämlich der willkürlich festgesetzte Grenzwert, steht plötzlich als unabweisbarer Fixpunkt da, wird keiner weiteren Prüfung mehr unterzogen, jahrelang, er ist sozusagen tabu. (Das wird schon in Murphys Theorem zur Beurteilung wissenschaftlicher Ergebnisse beschrieben: In jeder wissenschaftlichen Datenmenge erweisen sich letztendlich immer die Daten als falsch, die man bei Überprüfungen jahrelang für selbstverständlich richtig gehalten hat.)

Und die Spitze der Nahrungspyramide stellen nun einmal die Beutegreifer dar. Diese Bleibelastung, das wird dezent unerwähnt gelassen, finden Sie in jedem anderen Beutegreifer, bis hin zum Menschen, in jedem Fuchs, Hund, Dachs, auch in jedem Seeadler, und nebenbei bemerkt auch bei solchen Menschen, die nie Wildbret, geschweige denn Aufbruch essen. Im Klartext: Jedes Lebewesen in Gottes freier Natur, vor allem in den Industrieländern, auch solche, die nie in ihrem Leben einem Bleigeschoss auch nur in die Nähe gekommen sind, sind bleibelastet!! Von NABU, BUND und Grünen natürlich kein Wort davon, nein, die Jäger und die Jagd sind´s. Früher war das einfach nur ein Reflex im Pawlow´schen Sinne, heute ist es wohlkalkulierte Absicht, aber nach wie vor wirkungsvoll.

Um nun die tatsächliche Ursache der Bleibelastung bei Seeadlern festzustellen (warum eigentlich nur bei denen?), nämlich wahrscheinlich die Aufnahme von durch Abwässer stark bleibelastetem Fisch, vor allem aber die Toxizität dieser Bleibelastung festzustellen, fordern neutrale Stellen weitere Untersuchungen. Aber das wird von den Herrschaften bei BUND und NABU nicht nur nicht verfolgt, sondern sogar abgelehnt, weil viel zu teuer!, und die verbündeten Grünen sorgen dann in den Parlamenten und Ministerien dafür, dass diese Gutachten „aus Kostengründen“ dann auch parlamentarisch scheitern. Oder könnte der wahre Grund sein, dass dann die Prügelknaben Jäger entlastet würden? Honi soit, qui mal y pense. Denn wären als Ergebnis solcher Untersuchungen irgendwelche Fakten zu erwarten, die man der Jagd, den Jägern entgegenhalten könnte, ich wette, diese Gutachten gäbe es längst. Millionen Euro aus Steuergeldern? Ja natürlich, wenn´s der Bewegung dient….

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Kirchveischede, Februar 2012

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Manfred Nolting

Ein Jagdmensch

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Nachfolgend nur einige der Vielzahl an aufschlussreichen Links bzw. Veröffentlichungen. Ich bin sicher, es lassen sich mit Sicherheit Mengen davon finden, ein Beispiel mehr dafür, wie perfide und verlogen diese Scheindebatte geführt wird.

http://www.wildundhund.de/forum/viewtopic.php?p=35816 (ein Beitrag von 2 / 2005!!)

https://www.enzkreis.de/media/custom/179_4434_1.PDF

http://www.sueddeutsche.de/wissen/umweltverschmutzung-gift-unter-strommasten-1.486899

http://www.umweltprobenbank.de/de/documents/selected_results/16165

http://www.bmu.de/abfallwirtschaft/doc/40230.php

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2 Kommentare zu Die Bleilüge

  1. Jann Bengen sagt:

    Die Greifvögel in Schleswig-Holstein fressen keine Jagdmunition!
    Auf meine eMail-Nachfrage vom 20.1.2016 antwortet der Autor der Studie
    „In den in diese Untersuchung eingegangenen Proben wurde keine Reste von Jagdmunition gefunden.
    Sollten Sie weitere Fragen haben, melden Sie sich.
    Mit freundlichen Grüßen
    Thomas Gall“

    Ist schon putzig. Während sich in Meck-Pom die Seeadler gleich reihenweise mit Blei aus Jagdmunition vergiften, gibt es in SH keinen einzigen Fall…
    MFG
    Jann Bengen

    siehe Jagd- und Artenschutzbericht 2015 Schleswig-Holstein:
    Vergiftungen bei Greifvögeln
    https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/V/Service/Broschueren/Broschueren_V/Umwelt/pdf/jagdArtenschutz2015.pdf?__blob=publicationFile&v=3

  2. Pingback: Maillot Arsenal

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