Die Sache mit dem Interview……

Die Sache mit dem Interview…

Also mit der Resonanz hätte ich jetzt nicht gerechnet! Ich habe das „Interview“ schon vor einiger Zeit geschrieben und hab´s eigentlich gestern nur auf die Seite gestellt, weil ich gerade mal ein bisschen Luft hatte und ich beim Sichten meiner Unterlagen wieder auf die Datei gestoßen bin. Neben der vielfältigen Zustimmung, danke dafür, gab es vereinzelt auch schöngeistige Kritik, allerdings nur aus den eigenen! Reihen. Die Kollegen von der anderen Feldpostnummer bleiben diesbezüglich erstaunlich gelassen. Wahrscheinlich, weil sie´s eh gewöhnt sind. Ich werde deswegen, um gewisse „politisch korrekte“ Gewissensbisse erträglicher zu machen, mal erklären, was mich zu „Ein Interview“ veranlasst hat.*

Ich, und ja nicht nur ich, habe Jahre, Jahrzehnte auf sachliche Diskussion gesetzt. Das blieb bei den Scharfmachern der Gegenseite ohne jedes Ergebnis. Und nicht nur das: Es wurde ausschließlich als Schwäche ausgelegt. Das Fatale ist: Alle Entscheidungsträger bei denen sind per definitionem auch Scharfmacher, geben den Takt vor, nicht die Dialogbereiten; die findet man durchweg an der Basis, sie machen die Tagesarbeit. Sie gehen aber intern unter, werden aggressiv als „zu weich“ attackiert, und nach dem Motto „Der Klügere gibt nach“ überlassen sie den Scharfmachern das Feld. Sie bleiben aber im Team. Die Scharfmacher brauchen sie auch weiter, aus taktischen Gründen: Kommt es zu Situationen, in denen kurzzeitig bzw. regional Deeskalation gewünscht ist, werden sie ins Rennen geschickt. Aber sobald die Situation bereinigt ist, kommen wieder die Messerwetzer aus der Deckung. **

Sehr beliebt ist z. B. das muntere und völlig bedenkenlose Keilen unter jede moralische und persönliche Gürtellinie, solange man sich im Vorteil wähnt, und das sofortige Fordern nach Vernunft und Konsensbereitschaft, wenn man plötzlich mal selbst einstecken muss. Ein schönes Beispiel dafür hat man kürzlich anlässlich der Regionalkonferenz in Bielefeld erleben können. Eine Grünen- Politikerin hat Ralf Müller- Schallenberg aufgefordert, wieder zu seiner früher von ihm gewohnten Dialog- und Konsensbereitschaft zurückzukommen, natürlich aus „Vernunftgründen“. Worauf Ralf Müller- Schallenberg erwiderte, ich zitiere sinngemäß aus dem Gedächtnis: „Wir bleiben bei unserer Linie. Denn genau die Gesprächsbereitschaft wurde ausgenutzt und hat uns Jäger in die heutige Situation gebracht.“ Das hat die anscheinend völlig aus der Fassung gebracht. (Kann man sich in der Video- Aufzeichnung der Regionalkonferenz im Original anhören).

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Da fordert jemand Vernunft und Konsensbereitschaft, der nicht nur ungerührt jede Zusage bricht, sondern von vornherein gar nicht daran denkt, gemachte Zusagen auch einzuhalten! Auf eines können wir uns verlassen: Geben wir nur in einem Punkt nach, der von uns nicht akzeptiert werden kann und darf – sofort wird nachgeschoben, nachgefordert.

Die Vorgehensweise jedenfalls ist uralt, man kann es bei Machiavelli für die Politik, bei Clausewitz für den Krieg nachlesen: Zunächst werden wohldosiert kleine Zugeständnisse verlangt, peu á peu, über längere Zeit, in kleinen Schritten. Das erklärte Ziel ist die schleichende, aber stete Schwächung des Gegners. (Ich verwende ganz bewusst den Begriff „Gegner“. Denn genau so werden wir wahrgenommen, nicht als Partner.) Wenn der Akteur nach einer gewissen Zeit der Meinung ist, dass seine Vorteile nun groß genug sind, seine Position gefestigt genug bzw. die des Gegners schwach genug, kommt es zur finalen Frontalattacke, Ziel ist der totale Sieg, die bedingungslose Kapitulation.

Unsere Gegner NABU, BUND, Remmel und die Grünen sind ganz offen der Meinung, dass es nach 30 Jahren Vorarbeit jetzt so weit ist, dass die Jagd in unserer bewährten Form und Tradition reif ist zur vollständigen Übernahme. Schon das sollte uns zu denken geben! Und deswegen sind die Appeasement- Experten unter uns diejenigen, die eigentlich schon aufgegeben haben, nur noch in Schönheit sterben wollen. Dass das von der Gegenseite mit Begeisterung aufgenommen wird, versteht sich von selbst. Vor allem ist es so hilfreich dabei, einen Keil in die gegnerische Verteidigungslinien zu treiben: „Schauen Sie sich doch Ihre/ n xy an: Mit der / dem kann man wenigstens reden….“ Ja, und gemeinsam mit ihnen untergehen. Eigentlich wenig erstrebenswert. Finde ich jedenfalls.

Das Problem bei Konfrontationen mit Fanatikern und Ideologen ist einfach, dass Du nur folgende Alternative hast: Entweder Du schlägst mit den gleichen Mitteln zurück oder Du gehst unter.*** Denn die kennen nur einen Aggregatzustand: Attacke, keine Zugeständnisse. Unter normalen Umständen führt ein vernünftiger Mensch zunächst den Dialog. Aber ein Dialog mit Fanatikern und Ideologen ist eben nicht normal zu führen. Das kann man überall auf der Welt beobachten. Die Jägerschaft hat es lange versucht, viel zu lange für meinen Geschmack, denn die Zeit hat nur gegen uns gearbeitet, hat unsere Position geschwächt. Was ja das erklärte Ziel ist, s. o. Ich jedenfalls denke nicht daran, ohne Gegenwehr aufzugeben. Vor allem denke ich nicht daran, meine Positionen noch weiter schwächen zu lassen. Ganz speziell auch deswegen, weil es keinen einzigen sachlich nachvollziehbaren und vernünftigen Grund gibt, warum ich das tun sollte. Nicht einen! Außer dem, dass die´s gern so hätten.

Da gehe ich dann auch satirisch- sarkastisch überspitzt in die Debatte. Denn wie man weiß, findet die Wahrheit ein bisschen überzeichnet sehr viel mehr Aufmerksamkeit bei Dritten als rein fachliche Beiträge. Und genau die Dritten wollen wir ja ansprechen. So was wiederum muss jemand, der selbst nur gröbste Geschütze aufführt, aushalten können. Was musste ich mir da schon alles an keineswegs satirisch, sondern sehr ernst gemeinten Verbalinjurien anhören: „Lustmörder“, „Bambi- Killer“, „Ich freue mich jedes Mal, wenn von denen einer verreckt“ und dergleichen mehr. Von körperlichen Attacken auf Leben und Gesundheit will ich hier gar nicht reden. Distanzierung von solchen Durchgeknallten? Habe ich noch nicht erlebt. Stattdessen enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit klar verfassungsfeindlichen Organisationen wie z. B. PETA. Das allein belegt doch die bedingungslos verfolgte Zielsetzung, nämlich die Abschaffung der Jagd. Ich jedenfalls kann mir den Aufstand der Öffentlichkeit, der Medien, der „Naturschützer“ NABU und BUND gar nicht vorstellen, wenn die Jägerschaft z. B. eine offene Zusammenarbeit mit den Braunen einginge…

Ich habe auch kein Problem damit, mich auf das gleiche Niveau mit denen zu begeben im Hinblick auf die Wahl der Mittel. (Obwohl ich es, siehe „Lustmörder“ usw., sowieso nicht tue; eine gewisse Schamgrenze nach unten überschreitet man als normal erzogener Mensch einfach nicht.) Es kommt bekanntlich darauf an, wer zuerst zu welchen Mitteln greift. Man kann dann eben nicht beklagen, dass man mit eigenen Waffen geschlagen wird, wenn man die dauernd ausgiebig nutzt und damit offen rumliegen lässt. Bis jetzt nutze ich ja nur Satire. Eigentlich könnte ich nach der Logik auch schon zu glatter, organisierter Lüge, zu Verdrehung von Tatsachen übergehen. Aber ich denke immer, wenn das nötig wird, dann sind wir nicht mehr weit entfernt von Verhältnissen à la DDR. Ich glaube, der Jagd und den Jägern kann man Versäumnisse nachsagen; nur wer nichts tut, macht auch keine Fehler. Aber Attacke reiten gehört nun wirklich nicht dazu.

Ach so, noch eines: Fachlich bin ich drin in der Materie, bilde ich mir ein. Kann jeder, der will, auf dieser Seite nachlesen. Nur lesen muss man wollen……

Kirchveischede, 5. Dezember 2014

Manfred Nolting

Ein Jagdmensch

* Übrigens, falls es Unsicherheiten gibt: Dies hier ist keine Satire, sondern bierernst gemeint. Da aber ein klarer Bezug zum Beitrag „Ein Interview“ gegeben ist, veröffentliche ich es unter der Kategorie „Satire + Bissiges“. Denn natürlich ist das „Interview“ reine Satire, deswegen eben gestern auch unter der Kategorie „Satire + Bissiges“ veröffentlicht. Satire wiederum lebt von Überspitzungen, auch Polemik. Das ist ihr ganzes Wesen.

** Dann gibt es auch noch die Pseudo- Dialogbereiten. Das sind die agents provocateurs, die U- Boote, die wir alle sattsam kennen aus den bekannten Foren.

*** Marie von Ebner- Eschenbach meinte das damit, als sie sagte: „Der Klügere gibt nach. In diesem Satz ist das Elend der ganzen Welt begründet.“ Sie meinte damit: Wenn man dem folgt, setzen sich eben immer die Dümmeren durch.

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Ein Kommentar zu Die Sache mit dem Interview……

  1. Joachim Orbach sagt:

    Mischt Euch sachlich und fundiert ein!!!
    Wie es in der der DJV- Pressemeldung vom 01.10.2014 ( Zeitgemäße Jagd ) steht, sagte der DJV Pressesprecher Torsten Reinwald:“ Es sind alle Jäger gefordert, sich einzumischen, ob mit Leserbrief, Facebook-Eintrag oder Tweet. Es gelte Flage zu zeigen und den Gegnern nicht die Deutungshoheit zu überlassen -sachlich und fundiert.“ Ein Beitrag hierzu sind aber auch Kommentare, wie z.B. zu diesem Beitrag. In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Berichte „NEUE MEDIEN NUTZEN!“ und „Potenziale nutzen!“ auf http://www.jagdwissen.net ( s. Inhaltsverzeichnis ) hinweisen.
    Natürlich gilt es auch noch andere Wege der Presse – und Öffentlichkeitsarbeit zu nutzen.

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