Ein Kommentar zu einem Kommentar

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Ein Kommentar zu einem Kommentar

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Mandana aus Taka- Tuka- Land

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Wie meine Freunde und auch viele meiner Leser wissen, bin ich viel unterwegs. Außerdem bin ich seit 1 ½ Jahren glücklicher Großvater. Das kostet enorm Zeit und ist mühsam, wenn man mithilft, so einen kleinen Steppke zu einem anständigen und gut erzogenen Menschen zu formen. Wer soll´s ihnen denn sonst beibringen? Ich meine, wir konnten uns früher im Großen und Ganzen auch an anderen Kindern, vor allem den größeren, ausrichten. Heute ist das in den allermeisten Fällen nicht mehr möglich, einfach deswegen, weil viele Eltern heute die Erziehung ihrer Sprösslinge anscheinend dem Internet oder facebook überlassen. Da gibt´s so gut wie keine Bremsen und Korrektive mehr, hat man den Eindruck. Ich meine, früher war das so: Hätte ich meinem Vater erzählt, dass ich fest daran glaube, dass die Welt eine Scheibe ist und dass ich diese Wahrheit jetzt im großen Maßstab auch der Welt verkünde, hätte der sofort dagegen gehalten und mir erklärt, wie die Welt wirklich ist. Heute scheint da die übliche Reaktion zu sein: „Wenn Du meinst …“; man muss schließlich dringend zum Selbstverwirklichungs- Kursus. Und so geraten ganze Generationen in Verwahrlosung: Bildung und Intelligenz haben erst gar keine Chance zur Entfaltung, gute Manieren und Respekt vor anderen sowieso schon mal nicht, eine sachliche Debatte ist außerhalb jeder Vorstellungskraft, und von Benimm wagt keiner mehr zu reden. „Eeyy, Alder …..“  Mein erklärtes Ziel ist es, meinen Enkel vor sowas zu bewahren. Bei meiner Tochter, übrigens keine Jägerin, ist mir das gut gelungen, glaube ich; ich denke, das wird ihr, ihrem Mann und uns bei unserem Enkel auch gelingen. Wenn er will und er ein anständiger Mensch mit guten Anlagen und ordentlicher Bildung geworden ist (man beachte die Reihenfolge), helfe ich ihm später, auch ein guter Jäger zu werden. Ich arbeite hart daran, versprochen.

Der Grund, warum ich das hier schreibe, ist ein Kommentar auf den Beitrag „Doch, ich weiß es“ auf dieser homepage, der das gerade Gesagte offensichtlich mal wieder glänzend bestätigt. Ich habe ihn vor zwei oder drei Stunden erst gelesen und freigeschaltet; auch für Kommentatoren gilt, dass jeder sich nach Kräften selbst blamiert. Hier hat sich jemand richtig Mühe gegeben. Für die Antwort habe ich mir jetzt aber ein wenig Zeit genommen, ich wollte da keinen Fehler machen, vor allem muss ich bei sowas immer meinen prompt ausbrechenden Sarkasmus zügeln.

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Da ist es wieder ………

Denn da ist es wieder, dieses völlige Unvermögen, sich in dieser schönen Welt zurechtfinden zu können. Dann wird aber allen anderen die Schuld dafür zugeschoben, dass man so irrlichtert, keine Orientierung findet oder, neudeutsch, keine Peilung hat. Pubertäres Gehabe eben, wahrscheinlich aber eher infantil. Letzteres dürfte wohl eher hinkommen, in Bezug auf das vermutete Alter, denke ich: Interpunktion und Grammatik lassen das so erahnen.

Manche Menschen sind derart gefangen in Ihrer Traumwelt, so sehr ergriffen von sich selbst und ihrer hohen Moral (im Gegensatz zu allen anderen, natürlich!) dass sie überhaupt nicht mehr fähig sind, die Dinge um sie herum so zu sehen, wie sie sind. Man fragt sich: Wer erzieht diese Leute eigentlich so an der Welt vorbei? Jetzt weiß ich auch, warum die Grünen ums Verrecken keine Familienminister stellen. Selbst die haben erkannt: Da kannst Du keinen Blumentopf gewinnen, nur Blut, Schweiß und Tränen.

Gehen wir mal im Einzelnen auf die Bemerkungen ein (jeweils in Fettschrift).

„Jagd ist kontraproduktiv zur Vermeidung von Überpopulation, und das wurde sogar auch noch längst belegt.“

Belegt von wem? Von Idi Amin oder Alfons dem Viertelvorzwölften? Die Wildbiologie und Zoologie jedenfalls sind völlig anderer Ansicht, und so wird es auch an den Universitäten gelehrt. Und die Praxis belegt es ja. Es wäre ja wohl auch nicht zu erklären, wie Mandanas Modell funktionieren sollte: „Je mehr gejagt wird, desto schneller vermehren die Tierchen sich“ ist ja wohl die Logik. Damit haben wir endlich das perpetuum mobile erfunden, alle Nahrungssorgen der Welt sind gelöst: Mehr schießen ist die Lösung. Überfischung der Weltmeere? Kann doch gar nicht sein – je mehr gefischt wird, desto mehr Nachwuchs müssen doch die Flossenträger haben. Und natürlich müssen ja dann nach dieser Lehre auch die Jäger, also Tiger, Löwen, Bären, die bösen Wölfe, Füchse, Adler, Habichte, Orcas und Delfine, alles böse, böse Mörder, eigentlich ausgerottet werden. Sie gefährden diese Welt, siehe oben. Nun könnte man ja sagen, die könnten ja auch Müsli essen. Wogegen die sich aber mit konstanter Boshaftigkeit verwehren, die Viecher. Sie argumentieren sinngemäß so: „Der Liebe Gott hat mich so ausgestattet, also jage ich auch.“

Was das so ausdauernd bebarmte „Auseinanderreißen von Familienverbänden“ angeht, unter dem die Tiere so entsetzlich leiden – könnte es nicht sein, dass die ganz andere Vorstellungen haben von dem, was man bei uns so gängig Familie nennt? Mit Geburtstagsfeiern und Ehejubiläum? Dafür gibt´s gewisse Anhaltspunkte. Wildtieren ist Familie, vor allem der Nachwuchs, alsbald lästig, und wenn ich sehe, was zum Beispiel die adulten Biber mit ihrem zweijährigen Nachwuchs machen, um die auf den Sock zu bringen – das geht hin bis zu schwerster Körperverletzung. Unser Schalenwild ist da auch nicht viel zimperlicher. Und, die Frage sei gestattet – was ist denn mit den armen „Familien“, in denen Wolf, Luchs, Löwe und Kollegen zuschlagen? Ich glaube, wir sollten das Thema ganz still beerdigen, Mandana.

Jedenfalls: Weil nun auch die Beutetiere sich konstant weigern, Massenselbstmorde zu begehen oder sich ins enthaltsame Kloster zu begeben, stehen wir damit vor dem Abgrund: Es scheint unvermeidlich, dass unser schöner Planet eines Tages ob des schieren Zuwachses an Masse als Schwarzes Loch endet. Das berühmte malthusianische Weltenschicksal eben – uralt, viel zitiert, scheinbar unendlich logisch. Aber eben nur für die, die Dinge nicht zu Ende denken. Verzeihung, nicht zu Ende denken wollen.

„Pflege der Natur ohne Mord und Fallen, im eigenen Wäldchen in NRW“

Das ist aber eine überschaubare Welt, so richtig gemütlich. Genau das ist nämlich das, was manche Leute gar nicht mehr merken: Natur wird wahrgenommen, dargestellt und behandelt als Puppenstube, nicht als grandioses und a priori lebensgefährliches Chaos. Aber es muss die Puppenstube sein, denn da kommt man viel besser mit seinen Ängsten vor dieser Chaos- Welt, vor der Realität klar. Da sollte man dann aber zusehen, dass auch die „Füchschen“ und „Dächschen“ aus dem „Wäldchen“ verschwinden, sonst fressen die nämlich die „Mäuschen“ und „Häschen“, vor allem die noch ganz kleinen, süßen! Diese Kretins! Und dann pflegen natürlich alle Jagdgegner die Natur. Nur, wie machen die das? Schneiden die der Fichte die Fingernägel? Oder der Schlehe die Haare? Kämmen die die Hasen und mähen den Rasen? Ja, da kommt Ratlosigkeit auf. Sancta simplicitas ….. Ach, übrigens, „unentgeltlich“ schreibt sich mit zweimal „t“, nicht mit „d“; das hat nur mittelbar was mit Geld zu tun.

„Außerhalb der Naturschutzgebiete darf ich so viel in den Dickungen rumkriechen, wie ich will.“

Das, meine Liebe(n), ist ein großer Irrtum, wie überhaupt vieles, was manche Leute so stereotyp als Wahrheit verbreiten. Es gilt das freie Betretungsrecht, das stimmt schon. Aber ohne die Natur, Fauna und Flora mehr als unbedingt nötig zu stören, und dazu gehört nun mal das Dickungskriechen. Das alles sagt schon das Bundesnaturschutzgesetz, und die Sauen haben das auch nicht gern, geschweige denn Bruder Wolf, wenn er bald wieder flächendeckend in Deutschland vorkommen wird.  Aber, zugegeben, das alles muss man natürlich wissen. Das kann man aber nicht, wenn man immer nur in diesen rosa Sülz- Blogs rumsurft, dann fehlt einem einfach die Zeit zu lesen und zu lernen. Also: Wenn ich partout in Dickungen rumkriechen will, dann gibt es zwei Wege, das zu erreichen: Entweder Jäger werden, dann darf man das im Zuge der Jagdausübung. Macht kein Jäger gern, aber manchmal ist es eben nötig. Oder man kann sich selbst eine Dickung kaufen, dann darf man das da auch. Statt dauernd von anderen zu verlangen, dass man ungeniert deren Eigentum verhunzen darf. Ich meine, das Geschrei von so manchem Wirrkopf vom Stamme „Nimm“ kann man oft genug hören, wenn ein Fremder ohne Erlaubnis seinen sorgsam eingezäunten Ziergarten auch nur näher anschaut …..

„Was die „Lederschuhe“ betrifft – Ganz fauler Auftakt, sich hier nur mit einer anderen Gruppe Tierquäler zu vergleichen! Der Großteil der Menschen, die ein Problem mit der Jagd haben, achten in sämtlichen Bereichen des Lebens darauf, bewusst sowie tierleidfrei zu konsumieren, tragen keine Lederschuhe und ernähren sich tierproduktfrei!“

Alle Achtung, nur Gummisandalen also. Oder Holzschuhe? Ist aber auch egal. Wenn ich mir vorstelle, wieviele Millionen an Quadratkilometer Natur und Tierwelt, an Land und auf See, allein durch die Ölgewinnung (wir erinnern uns, 3. Klasse Grundschule, Gummi wird hauptsächlich aus Öl hergestellt) vernichtet wurden, milliardenfaches Tierleid – das ist wahrhaftig human. Holzschuhe wiederum werden i. d. R. aus Weichholz, vulgo Weiden hergestellt. Dazu braucht man Stammholz. Die Weide wird umgesägt. Steinkäuze, andere Kleineulen und auch viele andere Vögel und Höhlennutzer lieben aber geradezu Weiden, denn die neigen zur Ausfaulung und damit Höhlenbildung. Darin brüten und leben sie dann, die Käuzchen, die Wiedehopfe, die Siebenschläfer und wie sie alle heißen. Wird eine Weide gefällt, hat man sie auf dem Gewissen. Wenn ich das also alles so betrachte – dann frage ich mich, wer denn hier eigentlich der Mörder ist? Nur zwei beliebige Beispiele, auf die Spitze und darüber gebracht, und man stellt fest: Wenn man konsequent ist, kann man eigentlich nur noch barfuß laufen, dann ist die Welt auch hier gerettet. Ich sehe förmlich, was da jetzt auf einmal durch einen oder mehrere Köpfe geht: So kompliziert ist das alles in Wirklichkeit? Wer soll da denn noch klar kommen? Dabei ist es ganz einfach, solche Fallen zu umgehen – das Denken anfangen, vor allem das bis- zu- Ende- Denken. Aber wir Jäger sind es ja gewohnt, Nachhilfe zum rudimentären Grundschulwissen von Jagdgegnern erteilen zu müssen.

„Denn – wir sind nicht mehr angewiesen auf Mord und den Verzehr von Tieren, um unser Überleben zu sichern!“

Ja, in Taka- Tuka- Land. Da wo man sich, widewidewitt, die Welt so macht, wie sie einem gefällt. Auch hier wieder das Gleiche: Hauen wir einfach ´nen Spruch raus, den haben wir so oft gehört, der muss einfach wahr sein. Und er klingt so edel. Ich zitiere mal Gustave LeBon, den Begründer der Wissenschaft der Massenpsychologie, ein wenig länger:

Die reine, einfache Behauptung ohne Begründung und jeden Beweis ist ein sicheres Mittel, um der Massenseele eine Idee einzuflößen. Je bestimmter eine Behauptung, je freier sie von Beweisen und Belegen ist, desto mehr Ehrfurcht erweckt sie. Die religiösen Schriften und die Gesetzbücher aller Zeiten haben sich stets einfacher Behauptungen bedient. Die Staatsmänner, die zur Durchführung einer politischen Angelegenheit berufen sind, die Industriellen, die ihre Erzeugnisse durch Anzeigen verbreiten, kennen den Wert der Behauptung. Die Behauptung hat aber nur dann wirklichen Einfluss, wenn sie ständig wiederholt wird, und zwar möglichst mit denselben Ausdrücken. Napoleon sagte, es gebe nur eine einzige ernsthafte Redefigur: die Wiederholung. Das Wiederholte befestigt sich so sehr in den Köpfen, dass es schließlich als eine bewiesene Wahrheit angenommen wird.

Mit dem Rezept hat schon Adolf unselig reüssiert. Man sollte sich wirklich frei machen davon, derart manipuliert werden zu können. Dazu gehört aber, dass man lernt, selbst zu denken, vor allem braucht´s ein gewisses Grundwissen und Bildung. Denken. Nicht nachplappern. Im Kant´schen Sinne also, als mündiger Mensch. Da könnte ich jetzt auch einiges zitieren, aber das würde jetzt wohl zu weit führen. Davon kann man aber vieles auf meiner Jagdseite lesen.

Wie zum Himmel kann ich auf der Couch in Deutschland sitzen, gut verdienend oder satt alimentiert durch deutsche Sozialsysteme, eventuell noch von Papa und Mama ausgehalten, die eh alle schrägen temporären neuen Weltanschauungen des Nachwuchses durchleiden müssen, wie kann man sich rein vegan ernähren, dafür aber von Doktor zu Doktor rennen wegen der permanenten Mangelerscheinungen körperlicher und geistiger Natur, wie kann man sich mit Medikamenten vollstopfen, für die viele, viele Versuchstiere ihr Leben lassen mussten – und dann anderen Menschen, die zu dem Irrsinn nicht bereit sind oder es gar nicht können, selbst wenn sie wollten, verbieten, Fleisch zu essen? Also auf das schmale Brett zu kommen und sich dabei auch noch als Erlösung der Welt vorzukommen – das nötigt einem schon Respekt ab.

„Warum lebst du dann nicht mehr in einer Höhle wo dir uralte Kulturformen doch so am Herzen liegen?“

„Eeyy, Alder, geehhst du in de höhle, Alder …..“ Die Sache ist die: Einfach mal die Nase in gute Bücher stecken. Ich kann da Tipps geben. Hilfreich sind Wissenschaften wie Anthropologie, Paläo- Anthropologie, Archäologie, Geschichte, ja man kann sogar Anleihen aus der Bibel nehmen: Überall steht geschrieben, dass die ersten menschlichen Kulturen Jägerkulturen waren, und es ist nun mal Stand der Wissenschaft, dass der Mensch ohne die proteinreiche Nahrung, die ihm nur durch die Jagd zur Verfügung stand, nicht zu homo sapiens sapiens mit einem Gehirnvolumen von durchschnittlich 1.500 bis 1.700 cm³ geworden wäre. Setzt man dieses Volumen richtig ein, führt das zur Entwicklung von Sprache, von sozialem Zusammenleben, zur Beherrschung des Feuers, zum Bau von Häusern, zur Entwicklung der Wissenschaften, von Computern. Alles deswegen, weil wir jagen können. Das alles können Affen nicht, und wir hüpften heute immer noch mit unseren Vettern auf den Bäumen rum, wenn wir keine Jäger wären. Ich weiß nicht, wie es anderen geht: Danach steht mir nun wirklich nicht der Sinn. Und die Schimpansen wollen diesbezüglich anscheinend auch weiterkommen. Denn die jagen mittlerweile auch gezielt, zum Beispiel Kleinaffen (Primaten!), töten die ziemlich roh und fressen sie. Auch roh. Also, ich finde unsere Kultur schon ganz gut. Aber eben die ganze, damit auch den ältesten Teil von ihr, die Jagd. Und das Lebensgefühl genieße ich. Weil ich da in bester Gesellschaft bin.

„Ihr tötet zum Spaß, aus mangelnder Triebkontrolle und ohne jede Notwendigkeit, steht wenigstens dazu!“

Siehe LeBon. Ja, Mandana, so ist das im Leben: Man muss mit dem auskommen, was man hat. Aber man muss aus dem, was man hat, möglichst auch das Beste machen, das schulden wir einfach dem „Großen Gasförmigen“ und uns selbst. Sicher hat die Jagd sehr viel auch mit Emotionen zu tun, auch mit „Trieben“, wie man Emotionen ja auch nennen kann, wenn man dem Ganzen unbedingt einen negativen Touch geben will. Fakt ist: Die glücklichsten Wesen sind die, die in der Lage sind, ihre Emotionen („Triebe“) und ihr Leben in Übereinstimmung bringen zu können. Deswegen ist ein Löwe in einem Käfig fast immer auch ein trauriger Löwe, obwohl er immer satt zu fressen, tiermedizinische Versorgung hat, völlig sicher ist.

Man sollte dementsprechend vorsichtig sein mit dem Vorwurf der „mangelnden Triebkontrolle“, das geht nach hinten los. Viel schlimmer nämlich ist das Gegenteil, und das gilt in erster Linie für Jagdgegner. Sie können ihre natürlichen Anlagen nicht ausleben und kommen deshalb auch immer so rüber, wie sie rüberkommen: Als Pharisäer und Oberlehrer, verdruckst, aber gleichzeitig hoch aggressiv und mit einem unerhörten Wir- retten- die- Welt- Anspruch. Das nervt, Mandana. Unendlich. Vor allem dann, wenn es auch noch so unaussprechlich widersprüchlich und verklemmt – lebensuntüchtig rüberkommt.

Ich könnte ja hier jetzt einiges sagen zur Motivation der Jäger. Aber das wäre vergebene Liebesmüh, da bin ich sicher. Deswegen kneife ich mir das und verweise auf eine große Reihe von Wissenschaftlern, Philosophen. Da kann man sich schlau machen, man muss nur wollen.

Selbst wenn man mal unterstellt, dass manche Jagdgegner der Meinung sind, sie meinten es ja gut: Nicht nur, dass schon Tucholsky den wahrhaft wahren Satz geprägt hat: „Gut gemeint ist das Gegenteil von gut“ – ein anderer kluger Mensch hat das mal weitergedacht:

Meines Erachtens ist die Frage offen, ob „gute Absichten und Dummheit“ oder „schlechte Absichten und Intelligenz“ mehr Unheil in die Welt gebracht haben. Denn Leute mit guten Absichten haben gewöhnlich nur geringe Hemmungen, die Realisierung ihrer Ziele in Angriff zu nehmen. Auf diese Weise wird Unvermögen, welches sonst verborgen bliebe, gefährlich, und am Ende steht dann der erstaunt- verzweifelte Ausruf: „Das haben wir nicht gewollt!“ Ist es nicht oft gerade das Bewusstsein der „guten Absichten“, welches noch die fragwürdigsten Mittel heiligt? Den Leuten mit den „guten Absichten“ fehlt auf jeden Fall das schlechte Gewissen, welches ihre Mitmenschen mit den schlechteren Absichten vielleicht doch manchmal ein wenig am Handeln hindert. Es ist oft gesagt, aber selten gehört worden, dass der abstrakte Wunsch, allen Menschen das Paradies zu bereiten, der beste Weg zur Erzeugung einer konkreten Hölle ist. Das hängt mit den „guten Absichten“, die auch ohne jede Kompetenz zum Handeln antreiben, eng zusammen. (Denn das Gute muss natürlich durchgesetzt werden, koste es, was es wolle). – Prof. Dr. Dietrich Dörner, Soziologe, „Die Logik des Mißlingens“, Rowohlt 1992, S. 16

Ein schöner Text, finde ich. Weil er so wahr ist. Und universell, denn das, was Dietrich Dörner da zum Ausdruck bringt, gilt für alle Lebensbereiche und Ideologen, nicht nur für Jagdgegner. Vor allem machen sich die Puritaner und Asketen die vermeintlich „gute Absicht“ zu eigen, um ihren totalen Kontrollanspruch zu begründen. Puritaner sind bekanntlich die, die „immer die quälende Furcht empfinden, jemand anderes könnte glücklicher sein als sie.“

Zu den Asketen wiederum bemerkt Robert Pfaller, Philosophieprofessor aus Wien: „Menschen, die asketisch sind (oder das meinen), empfinden sich fast immer als höherwertig. Sie denken, sie seien klüger als andere und ihnen moralisch überlegen. In unserer Gesellschaft, in der die Klassendifferenzen härter werden, in der viele von Abstiegsängsten erfasst sind, ist das extrem attraktiv. Soziale Distinktion wird wichtiger.“ Auch das halte ich für eine kluge, durchdachte Aussage.

Was nun?

Vor dem Hintergrund frage ich mich jetzt: Womit habe ich denn hier das zweifelhafte Vergnügen? Schwierig, ganz schwierig. Meine persönliche These ist ja, dass man es in solchen Fällen oft mit einem ganz tief sitzenden, sich sorgfältig tarnenden, allerdings stets empört von sich gewiesenen Neid zu tun hat – und trotz aller Proteste und eifernden Entrüstung lasse ich mir diesen Verdacht nicht nehmen. Da muss einfach was dran sein bei den heftigen Reaktionen, die regelmäßig erfolgen, wenn ich den Verdacht äußere. Aber ich bin ja nicht dazu da, Mandanas Seelenleben zu analysieren – zu dem Zweck gibt´s schließlich Fachleute.

Aber was mich betrifft, gibt es keinerlei Unsicherheit und Zweifel, nur ein klares Ja – ich bin Jäger, und dazu stehe ich. Ich töte Tiere bei der Jagd. Dazu stehe ich auch. Ich gehe nicht zur Jagd, um zu töten, sondern ich schieße am Ende Tiere, um gejagt zu haben. (Ein Zitat von Ortega y Gasset, Philosoph und kein Jäger.) Ich töte diese Tiere schnell, schmerzlos, und ich bin überzeugt davon, dass das so ist, aus eigener Erfahrung nach einem nur knapp überlebten, in voller Länge bewusst erlebten Unfall. Ich esse sie gern und bin überzeugt davon, dass es kein „ökologisch“ besseres und schmackhafteres Lebensmittel geben kann. Ich handle im Rahmen der bestehenden Gesetze und nach der schlichten Vernunft. Ich persönlich kann gut damit leben, meine Familie, meine Freunde auch, meine Tiere, die ich sehr liebe, auch. Vor allem meine Jagdhunde fanden und finden mich offensichtlich sogar ganz toll. Ich nehme an, das liegt daran, dass ich mit ihnen jagen gehe. Jedenfalls: Ich meinerseits zwinge niemandem auf, so zu leben wie ich es tue, ich bin im Gegenteil der Meinung, dass jeder nach seiner persönlichen Facon selig werden muss.

Und damit zitiere ich jetzt nochmal, allerdings von mir etwas erweitert, Ortega y Gasset:

Ich verlange gar nicht, dass dekadente Spießer meinetwegen Ihr Weltbild ändern, schließlich leben wir in einem freien Land. Ich verlange aber im Gegenzug für meine Engelsgeduld mit ihnen, dass sie mir meines nicht dauernd vermiesen mit ihrem unerträglich bornierten Weltrettungs- Gehabe. 

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Kirchveischede, 18. April 2016

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Manfred Nolting

Ein Jagdmensch.

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4 Kommentare zu Ein Kommentar zu einem Kommentar

  1. Dirk sagt:

    Hallo Manfred,

    sage einfach mal Du. So unter Jägern.

    Vielen Dank für diesen Text. Seht gut geschrieben und alles auf dem Punkt gebracht.
    Diese Gutmenschen erlebe ich auch immer mehr. Immer weiter weg gerückt.
    Siehe Herr Dr. Friedrich Landa hier
    http://jagdundnatur.tv/episode/Jagdtalk17
    Da fehlen mir die Worte.

    Leider bin ich des Schreibens so nicht mächtig, aber das hast Du großartig übernommen.

    Danke noch mal

    Gruss

    Dirk

  2. Manfred Nolting sagt:

    Danke, immer gerne, Dirk.

  3. MH sagt:

    Hallo, Herr Nolting!

    Mal wieder haben Sie mir einen Tag gerettet.

    Siehe, ich will euch Hirn vom Himmel regnen lassen!

    Gruß+WH

    MH

  4. Manfred Nolting sagt:

    Tag gerettet klingt gut! Danke.

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