Eine wahre Geschichte

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Eine wahre Geschichte

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Ein Kleinbauer aus Peru verklagt RWE  

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Das Fernsehen berichtet. Alle Tageszeitungen berichten. Ein Kleinbauer aus Peru verklagt die RWE, weil sie den Klimawandel verschuldet hat, der ihn gezwungen hat, sein Lehmhaus abzureißen und einen Betonbau dafür dahin zu stellen. Tenor: „Der arme Kerl! Und wie recht er hat!“

Genau das ist es, was mir die Journaille so hat ans Herz wachsen lassen. Sie meint tatsächlich, dass „die Blöden“ da draußen, ihre Leser, Zuschauer, ihnen das abnehmen.

Dass die sich zum Beispiel nicht folgende, ganz logische Fragen stellen:

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  • Wie kommt eigentlich ein analphabetischer Kleinbauer aus Peru auf die Idee, hier in Deutschland ausgerechnet gegen die RWE auf Schadenersatz für Umweltschäden zu klagen? Noch dazu auf Umweltschäden, die sehr, sehr wahrscheinlich in erster Linie auf lokale Unsitten wie z. B. flächenmäßiges Abholzen der Regenwälder zurückzuführen sind? (Wofür, erwiesen, RWE nun wirklich nichts kann!)
  • Wie kommt der an die deutsche Rechtsanwältin, die ihn vertritt, die vorher nie in Peru war, kein Wort Spanisch spricht außer Olé?
  • Ist es Zufall, dass die eng verzahnt ist mit NABU, BUND, Grünen?
  • Sind alle Journalisten und Redakteure eigentlich vollständige Idioten, dass die nicht von selbst mal auf diese Fragen kommen und, zum Beispiel, zumindest mal auf die Möglichkeit hinweisen, dass eine eventuelle Wahrscheinlichkeit bestehen könnte, dass das so sein könnte? Oder bestätigt das, die Alternative, unseren Verdacht, dass die uns flächendeckend für dämlich halten?

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Da wartet man auf Antworten. Da warten wir lange. Das sind aber die gleichen Journalisten und Redakteure, die sich bitter, bitter beklagen und ungeheuer entrüstet und in ihrer Berufsehre gekränkt sind oder zumindest theatralisch so tun, wenn sie als Mitglieder der „Lügenpresse“ bezeichnet werden.

Denn man muss keineswegs krankhaft misstrauisch sein oder Verschwörungs- Theoretiker, um auf folgendes Szenario zu kommen:

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Eine Runde von kreativen Alarmisten kommt zusammen. Grund: Es ist zu wenig Alarm. Was kann man tun? Dann kommt einer auf die Idee, zu klagen, das zieht immer. Die anderen winken ab: „Das können die Bürger langsam nicht mehr hören!“ Stilles Leiden. Dann kommt einem nach dem 12. grünen Tee auf einmal der rettende Einfall: „Wie wär´s, wenn wir ein armes, armes Opfer aus der Dritten Welt finden?“ Interesse flackert auf. Aber wie soll das gehen? Die Spinner da sind unbrauchbar, die haben keinerlei Ahnung von sowas!

 Der Alarm- Michelangelo: „Kein Problem!! Überhaupt keins!! Wir rufen mal irgendwo in Afrika, Südamerika bei den Kollegen an. Die finden welche, die sich beklagen und, vor allem, Geld brauchen. Dann filtern wir die Aspiranten, den Naivsten nehmen wir. Wir greifen in unsere gut gefüllten Töpfe, bauen den auf, wenn nötig, kleine Gehirnwäsche, karren den ran, lassen den hier wohnen und sülzen ihn zu. So lange er hier ist, auf Spesen, wird seine Familie üppig unterstützt; mehr als 500,00 € im Monat brauchen wir nicht. Dann wird eine Klage gestrickt, wenn´s um „Umwelt + Natur“ geht, finden wir hier was, dafür haben wir ja die letzten 30 Jahre gesorgt. Dann verklagen wir irgendeinen Fuzzy und starten sofort eine Spendenaktion.  

Damit kriegen wir, wie üblich, das Fünffache von dem rein, was uns die Aktion kostet, steuerfrei, weil wir ja gemeinnützig sind. Vorsichtshalber beantragt unser Mädel (die Rechtsanwältin, d. Verf.) Prozesskostenbeihilfe. Schließlich will man ja auch verdienen, umsonst ist der Tod, und der Kläger ist ja mittellos. Dann ran an den Speck. Wir fallen zwar auf den Hintern mit der Klage, das ist absehbar. Aber die Justiz spielt mit und nimmt die Klage an, politisch korrekt; man will sich schließlich nicht angreifbar machen, wegen der Karriere.

Wir stehen wochenlang und kostenlos in allen Zeitungen, werden im Fernsehen rumgereicht, schließlich sind die Redaktionsstuben voll von unseren Maulwürfen, ja eigentlich sind die mittlerweile regelrechte Maulwurfsbaue. Passieren kann nichts – wer von den Idioten da draußen versteht schon was von PR? Strafrechtlich kann man uns nichts – also, was soll´s? Vor allem: Wir können die darauf folgenden zwei Jahre richtige Empörungs- Kampagnen führen: „Armer Bauer aus Peru durch Lobbyisten- Verbände um seine Existenz gebracht“, „Selbstmord – was bleibt ihm noch?“; „Ist unsere Justiz gekauft???“  

Das bringt Spenden!!!  Aber richtig ……  

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So weit das Drehbuch. Ich kann zwar jetzt keine Namen nennen, denn die genaue Rollenbesetzung kenne ich noch nicht, bis auf den Bauern aus Peru. Aber glauben Sie mir, genauso sind die Gespräche gelaufen. Ich warte insofern auf nähere Infos von meinen Maulwürfen.

Ich halte Sie auf dem Laufenden, versprochen. Ich beantrage vorsichtshalber mal den Status der Gemeinnützigkeit. Darauf bin ich jetzt gerade erst gekommen ….

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Kirchveischede, 24. November 2016

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Manfred Nolting

Ein Jagdmensch

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Ein Kommentar zu Eine wahre Geschichte

  1. Ronald Braun sagt:

    Vielen Dank, Manfred Nolting!
    Es gelingt nur wenigen Menschen, Dinge so kurz und präzise zu formulieren.
    Wirklich beänstigend ist für mich die Tatsache, das unsere „spendenbereite“ Bevölkerung nicht einmal nachfragt, wer sie derartig verarscht.
    Sind das wirklich „wahlberechtigte“ Bürger, die durch Kreuzchen machen meine Zukunft bestimmen????

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