Ironie ist die Kunst, einem Idioten zu sagen…….

.

Es gibt Tage und Situationen, die einen einfach frustrieren. Man fühlt sich so niedergeschlagen. Dabei reicht oft genug ein vermeintlich kleiner Anlass dazu aus, für einen Augenblick die Contenance zu verlieren. So wie heute.

Als Hintergrundrauschen seit Monaten die geplante „Jagdrechts- Novelle“ von unserem „Durchstarter“ Remmel in NRW, mit dem seine Vorgesetzten von NABU und BUND, ja sogar seine politisch- grünen, zunehmend die Geduld verlieren. Aber es geht ihm wie dem Kollegen Dobrindt und dessen PKW- Maut: Wenn man so dämlich ist, unbedacht eine Ente auf einen Teich zu setzen, um dem Wähler seine Wichtigkeit zu beweisen, darf man sich nicht wundern, wenn man die nicht mehr eingefangen bekommt, erst recht dann nicht, wenn man gar nicht schwimmen kann. Ich meine, wir Jäger haben bei Enten da andere Möglichkeiten, dazu (noch) gut ausgebildete Hunde, aber das genau will der BUND über Remmel  ja „wegnovellieren“.

Dann ein Kommentar in der Ausgabe der Westfälischen Rundschau vom 9. Juli 2014 von Malte Hinz, Chefredakteur. Der unter einen an sich neutral berichtenden Artikel als Chefradakteur! einen Kommentar schrieb, der einem eigentlich den Atem verschlägt: Da widerspricht ein Chefredakteur einem Beitrag, den die Redaktion, also eigentlich er selbst?, gesetzt hat, und das auf der gleichen Seite und direkt unter diesem Beitrag selbst. Was ist das? Ein Hühnerhaufen? Oder kann es daran liegen, dass dem guten Malte Hinz die Redaktion abhandengekommen ist? So oder so: Es sieht nicht so gut aus in der WAZ- Gruppe, kann man daraus schließen. Was machen die in Essen eigentlich den ganzen Tag? Man kann als Normaldenkender eigentlich nur rätseln. Ich glaube, unser Papa hatte schon Recht mit seiner Überzeugung:

Man sollte getrost davon ausgehen, dass völlig unabhängig von Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Beruf, Religionszugehörigkeit oder politischer Präferenz der Prozentsatz an Idioten immer ziemlich gleich ist.  

Ich persönlich schätze diesen Prozentsatz auf eine Größenordnung zwischen 5 und 10 % ein. Um Irrtümern vorzubeugen: Ich bin, nota bene, meilenweit von irgendwelcher persönlichen Zuordnung entfernt; ich meine das rein statistisch!

Das vorausgeschickt, liegt es auf der Hand, dass man mit denen natürlich irgendwie umgehen muss, um zu vermeiden, selbst übermäßig psychischen Schaden zu nehmen; sie sind nun mal naturgesetzmäßig da. Eines der wirkungsvollsten Instrumente zum Umgang mit ihnen ist Ironie.

Ironie ist bekanntlich die Kunst, einem Idioten zu sagen, dass er ein Idiot ist, ohne dass der das sofort merkt. Nun bringt einen das ja nicht weiter, zumindest nicht unmittelbar. Bestandserhebungen, ohne daraus Strategien zur Verbesserung der Situation abzuleiten, sind, logisch, nutzlos, zumindest nicht zielführend. Hinter jeder Ironie steckt also eigentlich immer die versteckte Hoffnung , dass man doch mal die oder den eine(n) oder andere(n) findet, die / der noch zu retten ist, sprich: dass die / der noch was merkt.

Sarkasmus wiederum ist der Zustand, der beim Ironie- Emittenten eintritt, wenn er endlich bemerkt, dass diese Hoffnung pure Utopie ist und man keinen retten  k a n n. (Genau genommen ist Sarkasmus kein Zustand, sondern der Begriff für eine bestimmte individuelle Art und Weise, Dinge zu betrachten und zu kommentieren.) Es ist nämlich nichts auf der Welt frustrierender, als als der berühmte „Weiße Ritter“ zu scheitern; man hat sich sich das meist so schön und edel vorgestellt, ich glaube, wir kennen das alle. Jeder rettet gern. Wen und was auch immer. Meistens geht´s schief. Paul Watzlawick beschreibt das schön in seinem Buch „Anleitung zum Unglücklichsein“. Ist man erkenntnismäßig so weit, ist das, nebenbei bemerkt, der Tod jedweden naiven Idealismus. Auf der anderen Seite:

Ironie hat meines Wissens noch bei nicht einem einzigen überzeugten Tierrechts- Philosophen (so nennen die sich allen Ernstes!) oder Disney- Apologeten zu irgendeinem messbaren Erfolg geführt; die sinken völlig unbeeindruckt von der realen Welt mit ihrer einmal angeeigneten Vorstellungswelt auch ins Grab. „Wanderer, kommst Du nach Spa, vermelde dort: Erschlagen liegen wir hier, noch im Tode dem Gebote treu.“ Oder wie das hieß.

Sarkasmus bringt bezüglich einer Änderung der Weltanschauung bei denen allerdings auch nicht das meiste, das gebe ich zu. Pointierter Sarkasmus bewirkt aber oft, dass sie tödlich beleidigt sind, weil sie in ihren ganzen Widersprüchen vorgeführt werden. Und dann verlieren sie meistens die Fassung und fangen an, unkontrolliert herumzukeilen, weil über sie gelacht wird. Ist ja auch schon mal was, mit sowas isoliert man sich beim Publikum. Gründlich. Bei anderen Gruppierungen als Jagdgegnern fehlen einfach noch die statistischen Erhebungen. Allerdings ist große Euphorie wohl eher nicht angebracht, wie nirgendwo, wo Ideologie den Verstand abknipst.

Aber: Wenn man nicht schwer aufpasst, wandelt sich Sarkasmus im weiteren Verlauf sozusagen gesetzmäßig um in einen ausgeprägten, bissigen Zynismus. Der wiederum führt bei vielen Zynikern früher oder später zu einem meist nicht als solchen erkannten, kultiviert ausgeübten Suizid: Bei einigen per Leberzirrhose, andere fangen mit so sinnhaften Beschäftigungen wie Bungee- jumping an (die Fortgeschrittenen säbeln irgendwann das Seil an, das erhöht den Kick), Russisch- Roulette ist auch eine beliebte Methode. Einige tauchen auch in wesensfremdem Outfit bei Neonazi- Versammlungen auf und nennen Hitler dann lautstark einen wahnhaften, charakterlich völlig unterentwickelten, grenzdebilen Psychopathen und historischen Jahrhundertversager. Was er ja war. Was aber eben in manchen Situationen und bei manchen Zeitgenossen nicht so gern gehört wird.

Es gibt noch eine Menge an Niedlichkeiten, belassen wir es dabei. Es kommt eben auf das persönliche Temperament an, die individuelle Einstellung zum Leben. (Ich weiß, ich weiß, das klingt krank, aber das Leben ist oft krank!) Man gibt einfach auf. Ende Gelände. Aus die Maus. Man will aber nicht zugeben, dass man aufgegeben hat, und schafft sich bzw. seiner Nachwelt zum Trost mit solchem Vorgehen die Legende „verrückter Hund“. Damit kann wenigstens die Familie gut leben. Die Kranken- und Unfall- Versicherungen weniger. Eventuelle Erben, Erbmasse vorausgesetzt, allerdings wiederum schon. Es kommt eben, wie immer, auf die Perspektive an.

Marie von Ebner- Eschenbach, eine ganz furchtbar kluge Frau, hat Zeit ihres Lebens gegen diesen Automatismus angekämpft. Sie hat mal gesagt: „Der Klügere gibt nach? In diesem Satz ist das Elend der ganzen Welt begründet.“ Sie meinte damit, dass sich so, logisch, in dieser Welt dauernd die Idioten, die Bedenkenlosen, die Verbrecher durchsetzen. Sie war im ganzen Gegenteil der Meinung, dass gerade die Denkfähigen dagegen halten müssen. Das ist aber erwiesenermaßen schwer. Versuchen Sie mal, gegen so etwas wie das Newton´sche Gravitationsgesetz oder Einsteins Relativitätstheorie anzustinken. Ganz, ganz schwer. Und menschliche Dummheit gehört in diese Kategorie. Da müssen Sie schon was drauf haben, und nicht jeder hat das Format von Newton und Einstein. Ich auch nicht. Ich habe deswegen einfach meine eigene individuell angepasste Strategie entwickelt:

Ich habe die Ironie durch. Ich bin fertig damit. Aber jeder braucht eine Strategie, durch´s Leben zu kommen. Nun bin ich Angler, Naturfreund, Jäger, und damit bin ich ein ausgeglichener, umgänglicher, ausgeprägt sozial denkender und gesetzestreuer Mensch. Aber gleichzeitig bin ich damit auch stur: Zum Sterben habe ich noch keine Lust, und Zynismus ist, genau wie Inkonsequenz und Widersprüchlichkeit in sich, einem Jäger und wirklichen Naturfreund völlig wesensfremd. Das verträgt sich einfach nicht mit der Jagd, der Natur. Lassen wir das den Grünen, den Führungsgremien des NABU, des BUND, den PETA- Aktivisten.

Aber allen chronisch illiberalen Verbotsfanatikern, allen jeder Lebensfreude abholden Puritanern, die per definitionem bekanntlich immer in Sorge sind, dass jemand anderes Freude am Leben haben könnte, allen ideologisch völlig verbohrten Jagdgegnern und Realitätsverweigerern gegenüber bleibe ich bei meinem Sarkasmus. Den pflege ich sogar. Mit Hingabe.

Kirchveischede, 10. Juli 2013

Manfred Nolting

Ein Jagdmensch

Dieser Beitrag wurde unter Satire + Bissiges veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Kommentare zu Ironie ist die Kunst, einem Idioten zu sagen…….

  1. Schönberg sagt:

    Lieber Herr Nolte,
    schon beängstigend der Fanatismus, mit dem von im Grunde Wenigen versucht wird, eigentlich schlecht oder gar nicht unterlegte Meinungen durchzusetzen. Wie schrieb jetzt ein Kommentator einer hiesigen Zeitung im Zusammenhang mit der mehr und mehr in Erscheinung tretenden Politikverdrossenheit: ( nicht wörtlich )…die Parteien wirken bei der politischen Meinungsbildung der Bevölkerung m i t !! …ist ja so im Grundgesetz vorgegeben. Und heute…da gehen m.o.w. deutlich gepolte Aktivisten zur Wahl und sind so überrepräsentiert. Und die Parteien regieren m.o.w. oft losgelöst. Das hohe Kulturgut Jagd gilt es unbedingt in der guten Tradition weiter zu erhalten und weiter zu pflegen, frei von Fanatismus. Aber auch wir Jäger dürfen uns nicht erlauben, der Öffentlichkeit Anlass zu massiver berechtigter Kritik zu geben.

    • Manfred Nolting sagt:

      Lieber Herr Schönberg, Danke für Ihren Beitrag. Ich bin mir jetzt nicht ganz so sicher, in welche Richtung Ihr Kommentar geht: Kritik oder Zustimmung? Insofern wäre ich für eine Klarstellung dankbar.

  2. Wolfgang S. sagt:

    Nahmd,

    danke für den Beitrag. Und seinen Sie vorsichtig bei einer Diskussion mit Idioten.

    https://youtu.be/oooOrXsfL2Q

    Die kann gefährlich sein.

    Gruß Wolf

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.