Jagd auf Löwenbabys

So weit der heutige Artikel in der „Westfälischen Rundschau“ von heute, 26. Februar 2013.

Ich habe darauf hin eine kurze Mail an die Redaktion geschickt:

Chapeau! Das hätte eins zu eins auch in „Bild“ oder „Praline“ stehen können. Von seröser Berichterstattung jedenfalls hat sich die WR schon vor einiger Zeit verabschiedet. Wahrscheinlich ist sie deswegen auch Geschichte; die Leser nehmen lieber sofort die Originale. Wer kann es ihnen verdenken?

Manfred Nolting
Lennestadt

Nun bin ich ja nicht naiv nach all meinen Erfahrungen mit der Presse, vor allem nach den vielen Leserbriefen, die ich schon nach vergleichbar intelligenten Artikeln an die WR geschickt habe; was nicht in den Mainstream passt, wird nicht veröffentlicht. Sinn und Zweck dieser Mail besteht also allein darin, eventuell doch mal einen Redakteur dazu zu bringen, diesen Umstand als möglicherweise existent zu betrachten.

Löwenbabies werden totgeschossen, nachdem sie, um die Perfidie „der“ Jäger noch mal zu steigern, von denen eigenhändig mit der Flasche großgezogen wurden. Das jedenfalls insinuiert der Titel, gewürzt mit dem Bild eines flaschetrinkenden Löwenkinds. Das Kindchenschema zieht halt immer. Egal welchen hanebüchenen Blödsinn sich manche Freiberufler zusammenschreibseln, es wird gedruckt, wenn nur PETA, Vier Pfoten oder ähnlich illustre Spendensammler es in Auftrag geben. Gegenrecherche? Wozu denn!! Ich will gar nicht abstreiten, dass es in Südafrika vereinzelt solche Auswüchse gibt. Wenn das so ist, ist das krank und hat mit Jagd, wie sie hier verstanden wird, nicht das Geringste zu tun. Ich für meinen Teil weiß von keinem einzigen Jäger, und ich kenne einige hundert davon, der für so etwas nach Afrika fährt. Das ist auch der WR bekannt, aber Differenzierungen sind ein Merkmal seriöser Berichterstattung, und davon haben wir uns in den Redaktionsstuben bereits meilenweit entfernt. Viel besser und wirkungsvoller ist es, jeden jagenden Nachbarn unterschwellig an den Pranger zu stellen – sie sind alle so.

Ich wollte, es würde auch nur ein einziges Mal über das berichtet, was allein die deutsche Jägerschaft Jahr für Jahr kostenlos für diese Gesellschaft leistet. Das ist überall und problemlos nachzulesen, man muss es nur wollen. Aber es wäre gegen den Zeitgeist. Der Artikel jedenfalls strotzt vor Verallgemeinerungen, unterschwelligen Andeutungen, vor allem aber, es wird nicht ein einziger konkreter Beleg gebracht. Wer sich outen darf, ist ein Herr Thomas Pietsch, und dessen Aussagen werden schlicht und einfach als Fakt dargestellt. Seriöseer Journalismus geht anders.

Dann haben wir das Problem damit, dass die unterschwellig hier angegriffenen deutschen Jäger leider keinerlei Möglichkeiten haben, auf eventuelle und behauptete Missstände in Südafrika!!! in irgendeiner Weise einwirken zu können. Es wäre so leicht, so etwas zu vermeiden, und eine serös berichtende Tageszeitung würde so etwas tun, indem man beispielsweise einen erklärenden Satz hinzufügt wie: So etwas wäre unter deutschen Jägern und in Deutschland völlig undenkbar. Das unterbleibt aber, und der Grund dafür liegt auf der Hand: Es liest sich für den Frühstückstisch so gut, wenn man weiß, dass man heute wieder seinen jagenden Nachbarn tief verachten darf.

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Kirchveischede, 26. Februar 2013

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Manfred Nolting

Ein Jagdmensch

 

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