Waffenregister abgeschafft

  

Waffenregister abgeschafft

Ich habe mich, aus gegebenem Anlass, wie das so schön heißt, an eine Meldung der Pirsch vom 16. Mai 2012 erinnert. Ich habe sie dann herausgekramt:

„Das kanadische Parlament hat darüber abgestimmt, die vor über 10 Jahren eingeführte Langwaffenregistrierung wieder abzuschaffen. Dazu der für die öffentliche Sicherheit zuständige Minister Vic Toews: „Es hat nicht dazu geführt, dass keine Waffen von Kriminellen eingesetzt werden, es hat keinem Kanadier das Leben gerettet. Das war einfach der Versuch, der Bevölkerung den Anschein zu vermitteln, dass sie sicherer lebt, ohne etwas Substantielles gegen die Kriminalität zu unternehmen.“

Bemerkenswert finde ich die Begründung des Ministers. Na bitte, geht doch! Aber dafür muss man anscheinend Neuwelt- Politiker sein, fern von europäischen, vor allem typisch deutschen, ideologischen Scheuklappen, und man darf sich nicht nach dem Zeitgeist einer Presse richten, die zum großen Teil nicht Bericht erstatten will, sondern die Hysterie einer Öffentlichkeit bedient, die schließlich ihre Zeilenschinderei bezahlt. Und die sie auch praktischerweise noch dazu selbst herbeigeschrieben hat.

Man sieht, man muss im Gegenteil im täglichen Politik- Geschäft das bemühen, was der Schöpfer aller Dinge als „menschliche Vernunft“ vergebens versucht hat, im alltäglichen Leben zu implementieren. So erspart man dem Bürger und dem Staat aufgeblähte Beamtenapparate und Verwaltungs- Moloche, die regelmäßig bereits kurz nach ihrer Schaffung ein Eigenleben entwickeln und die gesetzmäßige Tendenz haben, sich aufzublähen. Zu empfehlen wäre den Damen und Herren Politikern unbedingt die Lektüre der Veröffentlichungen von Parkinson und das Studium des Peter- Prinzips.

Man kann falsche Entscheidungen treffen, niemand ist unfehlbar. Bevor man aber solche Entscheidungen trifft, sollte man sich kundig machen. Z. B. darüber, welche Erfahrungen befreundete demokratische Staaten mit ähnlichen Gesetzen und Vorschriften gemacht haben. Darüber hinaus, das ist eigentlich so banal, dass man es gar nicht mehr erwähnen müssen sollte, sollte man die Fakten kennen, die Basis dieser Entscheidung sind. Dann kann man sich nämlich in 90% aller Fälle überhaupt jedes Gesetz, jede Verwaltungsvorschrift verkneifen.

Hat man aber Neuland betreten und eine Entscheidung in einer Sache getroffen, für die es keine Erfahrungswerte gab oder die nach menschlichem Ermessen eine neue Verordnung vernünftig erscheinen ließ, und stellt sich anschließend heraus, dass die Entscheidung nicht die damit beabsichtigten Ergebnisse erbrachte, dann muss man, siehe Kanada, wenigstens den Arsch in der Hose haben, das einzusehen und richtig zu stellen.

Unsere Politiker haben aber weder Arsch in der Hose noch Rückgrat, verfügen dafür aber über eine ganz gehörige Portion an gottgleicher Abgehobenheit. Wer unsere Ober- Grünen Künast und Trittin und ihre Reaktionen gesehen hat in der Spiegel- TV- Sendung „Ökofimmel“ vom 30. Dezember 2012 (Wer schützt die Umwelt vor den Umweltschützern?), in der sie vom Spiegel- Reporter Alexander Neubacher auf eklatant fehlerhafte, völlig widersinnige und teure Öko- Prestige- Projekte angesprochen wurden, der hat eine Lehrstunde in genervter und majestätsbeleidigter Arroganz erlebt. Der dem Bürger mit Irrsinnsaufwand aufgedrückte und irrsinnig teure Wahnsinn wird mit Zähnen und Klauen gegen jede Vernunft mit grotesk hirnrissigen Begründungen am Leben erhalten, siehe Trittin im Film. Künast wiederum äußert sich sachlich gar nicht, sie beschränkt sich auf flegelhafte Herumpöbelei.

Aber was ist der Grund dafür? Was ist zwischenzeitlich passiert? Ganz einfach:  D i e  Parteien, die die neugeschaffenen Verwaltungsstrukturen geschaffen haben, haben diese in der Zwischenzeit mit Leben erfüllt, sprich zumindest die höher dotierten Leitungsfunktionen mit ihren „verdienten“ Parteigängern besetzt. Mit Leuten also, die mangels persönlicher Eignung nicht ministrabel sind bzw. nicht als Staatssekretäre an die Tröge gesetzt werden konnten. Ganz besonders dreist tun sich hierbei ausgerechnet die politischen  Sauberfrauen und Saubermänner der Grünen hervor, zunehmend aber auch die der SPD.

Wir sind auf dem besten Wege, uns unseren Staat ersticken zu lassen, lethargisch und teilnahmslos, wie wir die Herrschaften agieren lassen. Hilfreich ist dabei die in Deutschland jederzeit zu aktivierende „german angst“, der deutsche Sicherheitswahn: Waldsterben, Klimakatastrophe, Pandemie Schweinegrippe, Pferdefleisch- Skandal usw. usw.; immer steht das Menetekel der unwiederbringlichen Zerstörung, des unwiederbringlichen Untergangs in Flammenschrift an der Wand, verbunden mit dem bis zum Erbrechen wiederholten Versprechen, dass jetzt aber wirklich alles zu 100 % sicher und final geregelt ist. Bis zur nächsten „Katastrophe“. Drunter geht´s bei uns nicht, die Halbwertszeit nähert sich mittlerweile vier Wochen.

Ich muss erwähnen, dass ich großer Bewunderer Mark Twains bin. Man weiß von Mark Twain (eigentlich Samuel Langhorne Clemens), dass er wiederum ein großer Bewunderer der deutschen Kultur war und sehr gut Deutsch sprach, er hat sich auch oft und lange mit seiner Familie in Deutschland aufgehalten. Er kannte folglich seine Deutschen, und ich fürchte, aus dieser Kenntnis entstand das folgende Zitat: „In meinem Leben habe ich unendlich viele Katastrophen erlebt. Die allermeisten davon sind nie eingetreten.“ Schöner könnte man die deutsche Angstkultur, den paranoiden Sicherheitswahn der Deutschen nicht beschreiben.

Nun kann man ja nicht jedem Politiker in Deutschland bösartige Genialität und bewusstes Handeln vorwerfen. Vielmehr greifen hier die Gesetzmäßigkeiten des Peter- Prinzips. Lawrence J. Peter, eben der Entdecker des Peter- Prinzips, postulierte dessen Kernsatz wie folgt:

„In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen. Nach einer gewissen Zeit wird jede Position von einem Mitarbeiter besetzt, der unfähig ist, seine Aufgabe zu erfüllen.“ 

Das trifft auf jede Hierarchie zu, eben und vor allem auch für Parteihierarchien und die Politik selbst. Weiter schreibt Peter:

„In der Gesetzgebung haben wir den Triumph der Quantität über die Qualität zu höchsten Höhen geführt. Immer wenn eine Interessengruppe der Meinung ist, dass irgendwo ein (vermeintlicher) Missstand durch gesetzgeberische Maßnahmen beseitigt werden muss, steht uns ein kompliziertes Gesetzeswerk ins Haus. Die Absicht mag die beste sein, aber die Wirkung ist nicht Effektivität und Überschaubarkeit, sondern ein immer dichter werdender Paragraphendschungel, der oft genug groteske Züge annimmt.“

Dazu sagt übrigens Irene Peter, ich nehme an eine nahe Verwandte:

„Wenn wir wollen, dass Verbrechen sich nicht auszahlen, müssen wir sie der Regierung oder der öffentlichen Verwaltung überlassen.“ 

Als ich das Ende der 60-er Jahre zum ersten Mal gelesen habe (1969, das muss man sich mal vorstellen: So lange weiß man das schon oder könnte es wissen, wenn man nur wollte, und trotzdem ist seitdem absolut noch nichts geschehen!), also damals habe ich das für doch ziemlich überzogen gehalten, das gebe ich zu. Man neigt als junger Mensch doch sehr zur Naivität. Heute bin ich der Meinung, dass noch nicht einmal Lawrence Peter sich die heutige Realität in ihrer tatsächlichen Dimension hat vorstellen können. Zu seiner Ehrenrettung glaube ich aber, dass selbst Orwell da überfordert gewesen wäre.

Aber kommen wir zurück zu Kanada. Dort, darauf gehe ich jede gewünschte Wette ein, hat sich nach Abschaffen des zentralen Waffenregisters weder die Kriminalitäts- noch die Mordrate erhöht. Weggefallen ist lediglich der irrsinnige Arbeitsaufwand für die erwähnten verwaltungsinternen 22.000 „Sicherheitsanfragen“ pro Tag. Gleichzeitig, darauf biete ich ebenfalls jede Wette an, hat sich aber auch die Zahl der rein rechnerisch jetzt eigentlich nicht mehr benötigten Polizisten bzw. sonstigen Beamten nicht verringert (ich schätze vorsichtig, einige hundert). Also die Beamten, die mit diesen Anfragen beschäftigt waren. Hier greift nämlich Parkinsons Gesetz, ebenfalls aus der Beobachtung hierarchischer Verwaltungsstrukturen gewonnen:

„Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“ 

Das heißt im Klartext, wenn ein Teil der bisherigen Aufgaben wegfällt, dehnt jede Hierarchie den Zeitaufwand für die verbleibende Arbeit einfach genau so weit aus, dass man zwar weiterhin den ganzen Tag scheinbar voll beschäftigt, aber pünktlich zu Feierabend mit dem Tagwerk fertig ist. Ein schlechtes Gewissen braucht dabei niemand zu haben, denn man kann jeder diesbezüglichen Kritik ein schwer zu widerlegendes Argument entgegenhalten: „Das kommt daher, weil man die verbleibende Restarbeit jetzt endlich so gründlich und gewissenhaft erledigen kann, wie es sich eigentlich gehört.“ Da steht man erschauernd vor solch einem Ausbund an genialer Beweisführung.

Und jetzt? Ratlosigkeit. Denn man könnte ja jetzt sagen, dass die Kanadier es dann doch einfach beim Waffenregister hätten belassen können. Das aber ist eine gewaltige Freud´sche Fehlleistung. Denn die Kanadier haben mit der Aufgabe des Registers etwas zurückgewonnen, das nicht bezifferbar, aber unendlich wertvoll ist: Eine gehörige Portion an persönlicher Freiheit, an Souveränität, an Würde, an Privatsphäre, an schnüffelfreier Zone. So wie es z. B. das deutsche Grundgesetz eigentlich als selbstverständlich voraussetzt.

Vielleicht kommt ja noch einmal eine Zeit, die uns ähnliche grundrechtskonforme Realpolitik zurückbringt; die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Aber wenn ich mir die Wählerentscheidungen so anschaue, fällt das Hoffnungsbarometer doch gewaltig. Mir fällt da spontan ein Zitat von Marie von Ebner- Eschenbach ein:

„Die erbittertsten Feinde der Freiheit sind die glücklichen Knechte.“

So isset.

Kirchveischede, 22. Februar 2013

Manfred Nolting

Ein Jagdmensch

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