Warum jagen wir? Gegenfrage: Warum denn nicht?

  

Warum jage ich?   Gegenfrage: Warum denn nicht?

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Ich habe ja schon an anderer Stelle ausführlich über meine Beweggründe berichtet, warum ich Jäger bin. Von einigen Seiten wurde ich aber zwischenzeitlich gebeten, das Ganze doch noch einmal zu präzisieren. Ich versuche also, das Thema einmal aus einer anderen Perspektive, einem anderen Blickwinkel zu beleuchten.

Vorab: Ich gehe nicht zur Jagd, weil ich Tiere totschießen will. Ich gehe zur Jagd, weil ich Natur erleben will. Und zwar möglichst vollständig. Am besten in einer artenreichen, gesunden Umwelt. Das ist auch der Grund dafür, dass ich keinerlei Probleme habe mit unseren Rückkehrern wie Wolf, Luchs, Wisent, vielleicht sogar auch bald den Elch. Dass ich dabei Tiere erlege, ist das Ergebnis der Jagd, nicht der Grund, und schon mal gar nicht der alleinige.

Natur ohne Jagd aber gibt es nun mal nicht. Nirgendwo. Das geht auch gar nicht, weil sie von Beginn allen tierischen Lebens an ihr unverzichtbarer Bestandteil ist. Fiele die Jagd weg, aus welchem Grund immer, würde das System in sich extrem instabil bis hin zum Zusammenbruch und innerhalb sehr kurzer Zeit kollabieren. Das kann und wird niemand ernsthaft in Frage stellen. So viel zum krampfhaften Bemühen einiger Zeitgenossen, die Realitäten auszublenden. Wie wir es als Kinder immer gemacht haben – etwas ist unbequem, Augen zuhalten, und es ist weg!

Kommen wir jetzt also zum Erleben. Ich persönlich bin so gepolt, dass ich im Leben alles möglichst gründlich mache. Das ist möglicherweise Veranlagung, möglicherweise Erziehungssache, möglicherweise auch eine Kombination aus beidem. Mir reicht es, zu wissen, dass das so ist. Das wende ich natürlich in jedem Lebensbereich an, also auch beim Erleben.

Am gründlichsten und intensivsten erlebt man etwas, wenn man aktiv im Geschehen ist. Man lernt viel schneller, viel intensiver die Zusammenhänge zu verstehen, die (notwendige!) gelernte Theorie mit dem tatsächlichen Leben in Übereinstimmung zu bringen.

Und es ist ein völlig anderes Gefühl als nur zuzuschauen, ein Gefühl, das tatsächlich süchtig machen kann. Sicher, man kann sich damit begnügen, zuzusehen, die Jagd den anderen Jägern überlassen, als da sind Katze, Wolf, Luchs, Bär – und andere Jagdmenschen. Aber das bedeutet nur halbes Erleben und Empfinden. Das ist wie mit dem Fußballspielen. Manchen Leuten reicht es völlig, auf den Rängen zu stehen und passiv mitzuerleben. Verstehen Sie mich nicht falsch, das ist aller Ehren wert! Denn ohne die Zigtausende von Fans und Fußballfreunden gäbe es den Fußball nicht, und ohne die passive Mehrheit an Jagdfreunden wäre die Jagd längst verboten.

Ich persönlich bin aber gern selbst auf dem Spielfeld. Lassen Sie sich mal von einem Fußball- Profi erklären, wo der Unterschied liegt. Das ist auch der Grund, warum alle Jäger freiwillig so unanständig viel Zeit, Arbeit und Geld für Jagd und Umwelt aufwenden, Dinge, die sonst der Staat übernehmen müsste. Weil Jäger aus der viel intensiveren Beziehung zu Natur und Umwelt heraus sich des tatsächlichen Werts eben dieser Natur, dieser Umwelt viel klarer bewusst sind als andere. Glauben Sie mir, Sie gewinnen als Jäger Eindrücke und Erkenntnisse, die anderen einfach verborgen bleiben.

Und, last not least, ist das auch der Grund, warum  i c h  jagen gehe; warum ich für den Rest meines Lebens Jäger bleiben werde. Jagd ist kein „Hobby“ und kann es niemals sein. Wer sie als Hobby betreiben will, erleidet unweigerlich Schiffbruch, ist kein und wird nie Jäger.

 Ein Hobby kann ich an- und abschalten, im Kopf zeitweise ruhen lassen, in die Ecke drängen. Die Jagd nicht. Jedenfalls nicht so, wie ich sie verstehe. Jäger zu sein ist ein Lebensmodell, eine Einstellung, eine Leidenschaft, die Sie nie wieder aufgeben können, und genau das beansprucht die Jagd auch. Denn sie beeinflusst ganz entscheidend das persönliche Denken, die Art und Weise, wie man diese schöne Welt betrachtet. Sie wird, auf neudeutsch, Basis- Bestandteil Ihrer Software; was mit ihr nicht kompatibel ist, läuft von da an nicht mehr auf Ihrer Hardware. Sicher, irgendwann lässt aus körperlichen Gründen die Intensität der Ausübung nach. Aber im Kopf bleibt man Jäger. Immer!

So viel zu uns. Kommen wir jetzt mal zu unseren Gegnern. Jagdgegner sind sich dessen gar nicht bewusst – sie sind im tiefsten Innern maßlos überheblich und arrogant. Und zwar in einer so himmelschreiend widersprüchlichen Art und Weise, dass man es ihnen dringend einmal sagen muss. Sie selbst kommen in ihrer gottgleichen Abgehobenheit einfach nicht darauf. Ich will Ihnen erklären, was ich damit meine.

Jagdgegner verdammen die Jagd. Aber nur die der menschlichen Artgenossen, nicht die Jagd der tierischen Umwelt. Im Klartext: Tiere dürfen jagen, nur Menschen nicht. Weil es dem Menschen, der Krone der Schöpfung, schließlich zuzumuten ist, sich von diesem neandertaloiden Trieb (das hat tatsächlich mal jemand zu mir gesagt!!) zu lösen. Wir Menschen sind schließlich was Besseres. Das wird uns zumindest in diesem Kontext von ihnen immer gesagt. Dahinter steht, dass die Herrschaften sich moralisch und ethisch so turmhoch überlegen wähnen, dass sie – angeblich – mitleidig auf jagende Kretins hinabschauen. Dazu kann man einiges sagen, ich begnüge mich an dieser Stelle mit einem Zitat von Robert Pfaller, Philosophie- Professor in Wien:

„Menschen, die asketisch sind (oder das meinen), empfinden sich fast immer als höherwertig. Sie denken, sie seien klüger als andere und ihnen moralisch überlegen. In unserer Gesellschaft, in der die Klassendifferenzen härter werden, in der viele von Abstiegsängsten erfasst sind, ist das extrem attraktiv. Soziale Distinktion wird wichtiger.“ 

Ich verwende dieses Zitat gern, weil es so viel Wahres so klar zum Ausdruck bringt. Und Jagdgegner merken dabei nicht, dass sie die Natur damit eo ipso zu einem minderwertigen Gut abstufen, angesiedelt weit unter ihnen, den Göttern. Dass die Natur die Jagd einfach vorsieht, ist ein ärgerlicher Störfaktor im kunstvoll selbst gewebten Weltbild. (Na gut, wir können´s nicht mehr ändern, aber zumindest fragen hätte der Große Gasförmige uns können!) Kurz: Sie wähnen sich nach diesem Verständnis tatsächlich im Stadium des entrückten Weltenlenkers, der abgehoben, in unendlicher Weisheit über allem schwebt, alles erkennend, alles verstehend und verzeihend.  E r  sah, dass es gut war.  S i e  meinen, er ist ein Stümper und  s i e  könnten es weit besser.

An anderer Stelle jedenfalls, wenn es dann wieder besser in ihre Vorstellung von Gängelei und Bevormundung passt, wird angemahnt, dass man gefälligst die Natur nicht schädigen soll, schließlich seien wir Bestandteil dieser Natur, kein bisschen besser als alle anderen Wesen. Und die lieben Tierchen leben schließlich „im Einklang mit der Natur“ (wenn ich diesen Terminus nur höre, setze ich mittlerweile schon die Wutkappe auf!). Denn sie reden von den Tieren (und manchmal auch Naturvölkern, denen sie gönnerhaft auch noch die Jagd zugestehen), die sich meist gar nicht zurückhalten im Umgang mit Mutter Natur: Elefanten fressen ganze Landstriche kahl, entwalden sie. Biber setzen Täler mit absolut schützenswerten Biotopen unter Wasser und ersäufen ganze Lebensgemeinschaften. Wenn´s der Mensch tut, ist so etwas ein Kapitalverbrechen an der Natur; wenn´s der Biber tut, wird das Ganze mit Tränen der dankbaren Ergriffenheit in den Augen euphorisch bejubelt. Die Liste könnte man ad libitum fortsetzen. Aber, wie gesagt, das sind Schönheitsfehler im Weltbild, darüber gehen wir mal schweigend hinweg.

Und damit sind wir bei ihrem Problem, nämlich der Frage: Ja, was denn nun?

Wenn ich Gott bin, kann ich mit dieser Welt tun, was immer ich will, schließlich kann ich´s ja nach Belieben wieder richten. Da das ganz offensichtlich nicht so ist, müssen wir nun mal annehmen, dass wir  n i c h t  Gott sind.

Wenn wir aber nicht Gott sind, also auf einer Stufe stehen mit allen anderen Wesen – warum, um Himmels Willen, sollen dann für uns andere Regeln gelten als für alle sonstigen Beteiligten? Für den Löwen, der jagt, für den Wal, den Delfin, die Robbe, die jagen, für Wolf, Fuchs, den Bären, die jagen?

Dass das Ganze in sich nicht stimmig ist, liegt ja nun wirklich für jeden nur mittelmäßig vernunftbegabten Mitteleuropäer klar ersichtlich auf der Hand. Das wiederum bringt uns, logisch, zu zwingenden Schlüssen, die so gar kein freundliches Licht auf unsere Gegner werfen, zumindest was ihre Fähigkeit zum konsequenten Durchdenken ihrer Positionen angeht:

E n t w e d e r  haben sie diese Brüche noch gar nicht bemerkt. Das wäre zwar traurig, aber zu ertragen, weil man Dummheit eben ertragen können muss auf dieser Welt. Sie ist einfach da, sie springt uns tagtäglich in den verschiedensten Formen und Ausprägungen geradezu an. Da sie meiner Meinung nach auch zu den unveräußerlichen Menschenrechten gehört, müssen die Intelligenteren manche Eseleien eben mit Nachsicht ertragen. Das tun wir bei unseren Kindern schließlich auch.

O d e r  aber, sie haben es erkannt (ich hoffe, zumindest einige wenige), geben aber weiter die ahnungslos Empörten, die rein moralisch bewegten Übermenschen, obwohl sie genau wissen, wie verlogen und moralisch minderwertig das ist. Das wäre dann allerdings der Beweis dafür, dass wir bei diesen Experten kein Blatt vor den Mund nehmen sollten, sie mit allen ihren eigenen Mitteln bekämpfen müssen. Schließlich sind es völlig außer Kontrolle geratene, bedenkenlose Lügner. Damit haben gerade wir hier in Deutschland ja genug historische Erfahrung.

Wenn eines feststeht, dann ist das die Tatsache, dass Appeasement- Politik in solchen Fällen völlig fehl am Platze und kontraproduktiv ist.

Kirchveischede, 22. November 2013

Manfred Nolting

Ein Jagdmensch

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3 Kommentare zu Warum jagen wir? Gegenfrage: Warum denn nicht?

  1. Sehr geehrter Hr. Nolting!
    Ich habe mit Begeisterung Ihre Seite besucht und festgestellt, dass die Beiträge wirklich gut sind. Nach mehr als 20 Jahren Jägerleben (mit Aufsichtsjägerprüfung) lernt man doch tatsächlich noch dazu. Kein Kunststück, denn das Lernen hört nie auf. Ich werde ihre Seite weiterhin besuchen und freue mich schon, weitere Artikel von Ihnen zu lesen. Mit freundlichen Grüßen aus der Südsteiermark!!!!

  2. Manfred Nolting sagt:

    Hallo, Herr Pucher. Hört man gern, danke. Weiterhin viel Freud an der Jagd und genauso viel Spaß beim Lesen!

    Freundliche Grüße + Weidmannsheil aus dem Sauerland!

  3. MichaMueller sagt:

    Tja,warum denn nicht? ich denke,weil er es eben nicht muss. löwe,tiger,wal,robbe,fuchs…usw. müssen sich halt etwas erjagen,sonst würden sie vermutlich verhungern. raubtiere sorgen in ihrerm jagdrevier für einen ausgeglichenen bestand. und das schon seit tausenden von jahren. jäger,oder einfach der mensch per se,trieben und treiben tiere aus reiner ignoranz und profitgier an den rand der ausrottung. hinzukommt noch,dass man sein geld einer industrie gibt die leider nicht nur waffen für die jagd herstellen,sondern auch für kriegsgerät.sowas zu unterstützen sehe ich immer als recht bedenklich. oder,warum denn nicht? LG MM

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