Wildtiermanagement

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Wildtiermanagement 

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3SAT, 21. Januar 2015, 18:30 Uhr, Sendung „NANO“

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Es war mal wieder eine Sternstunde des kritischen Journalismus.

Sendungsbeitrag: Ein Bericht über den neuen Nationalpark „Schwarzwald“. Es tritt auf ein Jung- Moderator mit sehr, sehr wenig Ahnung von der Materie; aber er ist willig, freundlich und stellt ob seiner Ahnungslosigkeit keine verfänglichen Fragen. (Und derer wären viele.) Es tritt weiter auf ein jovial wirkender, aber betont forsch-freundlich-dynamisch auftretender Mann, graubärtig, um die sechzig, der Wildtiermanager Friedrich Burkhardt.

Es geht flott voran in den Park, Rotwild hinter Zäunen, in Forstkulturen wird eingeblendet. Und es wird von vornherein klar gemacht, dabei auf verbissene Weißtannen ohne Terminaltrieb hinweisend: „Ohne Jagd geht´s nicht, das Wild würde den Wald auffressen.“ (Das war die schlechte Nachricht, Motto: Frechheit siegt, und Angriff ist die beste Verteidigung.)

Dann wird gezeigt, wie Hochsitze umgelegt werden. Die stehen am Waldrand an einer üppig grünen Wiese. (Was nebenbei den Rückschluss erlaubt, dass der Beitrag schon älter ist, schließlich haben wir Januar). Begründung: „Das Wild verbindet die mit Jagd. Wenn die Dinger weg sind, dann tritt das Wild aus auf die Wiesen und geht nicht mehr im Wald zu Schaden.“ Aha, beeindrucktes Nicken des Jungstars. „Darf man das so verstehen, dass man damit automatisch wieder tagsüber mehr Wild zu sehen bekommt?“ Herr Burkhardt nickt, der Jungjournalist ist begeistert. (Und wahrscheinlich böse auf die Jäger.) Nur: Warum das so sein sollte, erschließt sich einem nicht so ganz. Dem Wildtiermanager auch nicht, wie es scheint, er guckt ein wenig unglücklich.

Dann geht´s weiter mit der sinnigen Bemerkung des hoffnungsvollen Jungjournalisten, dass Herr Burkhardt eigentlich ja nicht jagt, sondern sein Wild „managt“. Auf den Begriff ist der ganz allein gekommen, ehrlich jetzt! Aber egal, das ist toll! Gaaanz toll. Keine Jagd also! Geht doch! Dann zeigt Herr Burkhardt auf die angrenzenden Privatwälder und sagt mit diesem bekannten bedauernden Dackelblick: „Das Problem ist, dass die Leute da vom Holz leben müssen.  Und da ist Wild nun mal schädlich. Und wenn man hier (im Nationalpark, d. Verf.) die Jagd einstellen würde, dann gäbe es da Probleme.“

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Dreierlei zwischen den Zeilen fällt nun selbst dem Dämlichsten auf:

Zunächst die unglaubliche Aussage, man würde selbst ja gern auf die Jagd verzichten, aber aus reiner Nächstenliebe zu den benachbarten Waldbauern (die man pikanterweise bis vor kurzem noch in jeder Verlautbarung als ewiggestrige Naturzerstörer und Schlimmeres hingestellt hat) kann man das leider nicht. Dann das taktisch bedingte Friedensangebot: Ich mache hier jetzt auf friedlich- verständnisvoll, ziehe mal nicht gegen die (Privat-) Jagd vom Leder wie sonst (wie denn auch mit der Botschaft?), und Ihr fangt nicht mit dem Stänkern bzw. dem kritischen Nachfragen an. Und drittens der Bruch in der Logik: Warum denn gibt´s bei Einstellung der Jagd im Nationalpark im Privatwald Probleme? Da wird doch gejagt, und anscheinend beschwert sich keiner. Außerdem: Wer hat denn die verbissenen Weißtannen? Aber darüber geht man schnell weg. Der Journalist sowieso. Kann man ihm nicht verdenken, wahrscheinlich denkt der schon an seine nächste Kochshow. Oder sowas. Bratkartoffeln kann er!

Und so geht es den ganzen Beitrag weiter. Andeutungen, Geraune, verdrechselte Umschreibungen, ein fröhlich springender Journalist im Urwald, kurz: Heile Welt.

Wäre ich da erschienen, hätte ich einige sehr unbequeme Fragen gehabt. Z. B. folgende:

  • Warum wird denn  v o r  Einrichten eines Nationalparks in der jagdmüde gemachten Bevölkerung immer damit geworben, dass dann die Natur Natur sein kann, paradiesische Zustände stellen sich ein? Alles wächst und lebt unter der Oberaufsicht der „Naturschützer“ in paradiesischer Unschuld so vor sich hin, kein Wild stirbt mehr, alle Bäume wachsen, ohne Aufsicht, ohne Düngung. Im Einklang mit der Natur..
  • Warum wird nicht gesagt, dass dieses Nirwana- Konzept nur dann aufgehen kann, wenn ganz Deutschland zum Nationalpark erklärt wird und gleichzeitig die Bevölkerung geschlossen umgesiedelt wird. Wie wär´s mit der Schweiz? Die Schweizer sind ganz versessen auf uns.
  • Warum erzählt zum Beispiel Herr Burkhardt ums Verrecken nicht, mit welchen Methoden er denn nun sein Wild zu Tode „managt“? Und was die „Management“- Methoden von Jagdmethoden unterscheidet?
  • Warum der für die ganz Dummen, siehe oben, so „geschickt“ verborgene Hinweis, dass man ja eigentlich nur deswegen „managt“, weil sonst die Nachbarn zu Schaden kämen, und das will ein korrekter Wildtiermanager natürlich nicht?
  • Und, nachdem wir wissen, dass es ja nun mal nach wie vor so ist wie es ist: Wussten die „Experten“ das nicht vorher? Noch dazu, wo genau diese Dinge von Jägerseite als fachliche Kritik vorhergesagt wurden, aber abgewürgt und diffamiert wurden als destruktive Mäkelei?

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Meine Antworten:

Natürlich wusste man das alles, längst. Man hat eben nur die Bevölkerung, den Steuerzahler und die Idioten, die mitlaufen, einmal mehr beschissen. Ich sage ausdrücklich nicht „betrogen“, das ist mir einfach zu harmlos in der Aussage. Aber der Zweck heiligt eben die Mittel. Nun ist das Ding eingerichtet, also der Nationalpark, das heißt in Deutschland bekanntlich unumkehrbar, man hat damit, was vielfach nicht im öffentlichen Bewusstsein ankommt, dem strammen Frontkämpfer Burkhardt mitsamt seinen ebenfalls beamteten Mitkämpfern ein einträgliches Auskommen aus öffentlichen Töpfen bis ans Lebensende verschafft. Und jetzt tut man eben ungeniert das, was einfach nötig ist, damit das Ding auch funktioniert – man jagt, fröhlich.

Nun kann man aber der Bevölkerung nicht einfach die Wahrheit sagen, die da wäre: „Also, wir haben Euch belogen. Aber nur der guten Sache wegen, und weil Ihr, dämlich wie Ihr seid, die Zusammenhänge sowieso nicht verstanden hättet. Zu Eurem Besten also, liebe Kinder.“ Da könnte zwar kein Schaden daraus entstehen, schließlich hat man die Medien und damit die öffentliche Meinung komplett im Sack. Aber es könnte sein, dass man die Öffentlichkeit für das nächste teure Projekt braucht, deswegen erst mal weiter schwiemelige, wenn auch plumpe Ablenkung und Vernebelung. Schließlich kann man denen alles erzählen, den Pfeifen! Und nach einer gewissen Zeit, das ist eine unumstößliche Tatsache, ist das ganze so in den Köpfen angekommen und verankert, dass eh keine Fragen nach den Ursachen mehr gestellt werden.

Fakt ist: Früher gab´s da, wo heute Nationalpark dransteht, Wirtschaftswälder, die Eigentümer haben sie ordentlich beförstert. Sie haben in aller Regel das Jagdrecht verpachtet, die Pächter haben bezahlt und gejagt. Gejagt, nicht gemanagt. Die Eigentümer waren´s zufrieden, die Jäger waren´s zufrieden, der Staat war´s zufrieden, denn er hat profitiert, und wie!

Weil die erheblichen Zahlungen der Jäger von den Zahlungsempfängern versteuert werden mussten, während die Jäger diese Zahlungen aus bereits versteuertem Einkommen zu leisten hatten, im Klartext steuerlich nicht geltend machen können (da bekäme der Begriff „Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung“ endlich mal Sinn!).

Weil sich der Staat um Wildtiere, um Biotope, um den Naturschutz nicht kümmern musste usw. usw. Das alles haben die Profi- Naturschützer getan, die Jäger, die Eigentümer, seit vielen Generationen meist Waldbauern. Und alle waren glücklich.

Dann aber kamen die professionellen Amateure, Sie wissen schon, die mit viel medialem und politischem Einfluss und mit diesem dauernden Riesen – Bohei (die professionelle Seite). Die wissen zwar wenig bis nichts von Natur, Umwelt, Wald, Wild und Jagd (die Amateur- Seite), aber dafür umso mehr darüber, wo´s Steuergelder abzugreifen gibt, wie man seine Gefolgschaft in lukrative, unkündbare öffentliche Dienstverhältnisse bugsiert (hier wieder als Profis). Die Stammwählerschaft ist damit gesichert, denn in Deutschland mögen Zeiten vergehen und politische Systeme. Ämter aber nie.

Es wurde die Maschinerie angeworfen, alles madig gemacht, aggressiv mit Spendengeldern millionenteure Kampagnen gefahren (wer die wohl bezahlt hat?). Mit dem Ergebnis, dass die Öffentlichkeit irgendwann auf Linie war, „gleichgeschaltet“, wie´s früher hieß. Dann kam´s zur finalen Attacke – und gegen den erbitterten, aber leider viel zu späten Widerstand der Eigentümer zur Enteignung. Man hat sich da schlicht nicht vorstellen können, dass der Staat, dass die Politik das Spiel mitspielt!

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Was haben wir jetzt?

Zumindest teilenteignete Grundeigentümer, dafür aber zufriedene „Naturschutz- Organisationen“, weil sie überall die Hand drauf haben und praktisch das Geld selbst drucken können.

Gut bezahlte „Wildtiermanager“ statt zahlender Jäger, wobei die Manager natürlich nicht mehr jagen gehen, sondern, sic!, ihr Wild managen. Aber um Gottes Willen nicht damit herausrücken, wie genau sie das eigentlich anstellen……

Man könnte so viel darüber schreiben. Aber es nutzt nichts. Mundus vult decipi. Die Welt will betrogen werden. Von professionellen „Naturverbesserern“, die mittlerweile Millionen scheffeln, von den Politikern, die dem Ganzen Vorschub leisten. Bei denen sollte man fragen: Cui bono?  Siehe weiter oben.

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Kirchveischede, 21. Januar 2015

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Manfred Nolting

Ein Jagdmensch

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P.S.: Auf meiner Website ist ein Beitrag über „Wildtiermanagement“, über „Wildhüter“, über Bruno Bär und den Naturschutz zu lesen. Ganz aktuell. Von 2008.  Jäger, Wildhüter und Bruno Bär.

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Auf der Website von 3SAT ist zu der Sendung zu lesen: (http://www.3sat.de/page/?source=/nano/umwelt/180029/index.html)

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„Ohne Jagd geht’s nicht

Auch Nationalpark braucht Wildmanagement

Im Nationalpark Schwarzwald wird gejagt, obwohl sich das Gebiet zu einem „Naturwald“ entwickeln soll. Hirsche und Rehe verbeißen die typische Baumart Weißtanne.

„Wenn wir die Jagd komplett einstellen, würde sich das Waldbild hier mit Sicherheit ändern, die Tanne würde mit Sicherheit verschwinden“, erklärt der Wildtiermanager Friedrich Burkhardt. Die Jagd sei nötig, da im Schwarzwald große Raubtiere wie Bär und Luchs fehlten.

Der Nationalpark Schwarzwald zwischen Baden-Baden und Baiersbronn umfasst eine Fläche von 10.062 Hektar. Der Schwarzwald wird dort im Wesentlichen sich selbst überlassen, auf dem Weg zum Urwald ist aber eine Übergangszeit von 30 Jahren eingeplant. Es ist der erste Nationalpark in Baden-Württemberg und der 15. in Deutschland.“

Ach wie war es doch vordem mit Heinzelmännchen so bequem….. .

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2 Kommentare zu Wildtiermanagement

  1. MH sagt:

    Hallo!

    „CUI BONO?!“ – Wem nützt es? Genau das ist die Frage.

    Wenn die Berichterstattung das den Leuten rüberbringen könnte (wollte?), würde sich vielleicht so mancher aus dem Ablaßhandel der sogenannten Tierschutzorganisationen ausklinken.

    Kämpfen wir „nur“ für die Erhaltung der Jagd oder schon gegen den Verlust unserer Grundrechte an sich?

    Waidmannsheil

    MH

  2. Manfred Nolting sagt:

    Ich bin schon lange der Meinung, dass wir uns längst im grundsätzlichen Bereich befinden. Aber solange es glückliche Knechte gibt, die wollen, dass man ihnen sagt, wo´s langgeht, so lange wird sich eben nichts ändern. Und so lange es eine strikt Mainstream- orientierte Presse gibt, schon mal gar nicht. Ich gehe nicht so weit wie manche, die von Lügenpresse reden; das ist Schwachsinn. Aber dass viele Presseorgane bei einigen Themen auf dem richtigen Auge sagen wir „sehschwach“ sind, halte ich für eine Tatsache.

    M. Nolting
    Ein Jagdmensch

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